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Brandapell an den LEH

von , am
27.08.2015

Nach Protestaktionen gegen Schleuderpreise vor Discountern und Supermärkten wendet sich nun auch Walter Heidl, der bayerische Bauernpräsident, an den Lebensmitteleinzelhandel.

In einem offenen Brief verurteilt er die Schleuderpreise und erläutert die Gründe für die Protestaktionen:
  • Die Schleuderpreise entstehen durch massiven Druck der marktbeherrschenden Handelskonzerne. Doch der Machtkampf zwischen Aldi, Edeka, Lidl und Rewe hat eine neue Dimension erreicht. In der Gier nach zusätzlichen Marktanteilen werden die Preise der Konkurrenz immer weiter unterboten. So entstehen Erzeugerpreise, die unter den Gestehungskosten für unsere hochwertigen Lebensmittel liegen.
  • Gleichzeitig schraubt der Handel die Auflagen und Anforderungen in der Tierhaltung und im Ackerbau immer weiter in die Höhe, oft weit über gesetzliche Auflagen hinaus. Das schadet gerade den bayerischen Strukturen.
  • Damit zerstören Schleuderpreise die nachhaltige, vielfältige, regionale Erzeugung von Lebensmitteln in Bayern, unsere einzigartige Kulturlandschaft und die bäuerlichen Familienbetriebe. Und das obwohl gerade Supermärkte immer häufiger versuchen, sich in der Werbung und der Selbstdarstellung mit „nachhaltigen Produkten“ und „Qualität aus der Region“ Vorteile zu verschaffen. Das passt nicht zusammen – schließlich gehört zur Nachhaltigkeit auf den bayerischen Bauernhöfen auch ein solides ökonomisches Fundament! 
  • Verbraucher werden durch Rabattaktionen – insbesondere bei Milch und Fleisch – in die Läden gelockt. Doch der Griff zu den billigsten Produkten wird letztlich dazu führen, dass nur noch der Handelskonzern überlebt, der den längsten Atem hat. Wenn nichts gegen den ruinösen Verdrängungswettbewerb unternommen wird, entsteht über kurz oder lang ein mächtiger Monopolist, der Angebot und Preise diktieren kann.
  •  Landwirtschaftliche Erzeugnisse werden frei gehandelt. Doch der LEH hat eine Rabattschlacht mit Grundnahrungsmitteln angezettelt. Mit diesem Preiskampf soll die Marktmacht der einzelnen Konzerne weiter ausgebaut werden. Das schadet Erzeugern und Verbrauchern gleichermaßen.
  •  Die Konzerne betonen zwar, offen und konstruktiv in alle Gespräche zu gehen. Doch das ist scheinheilig und unglaubwürdig. Schließlich wird die Preisspirale immer weiter nach unten gedreht und die Verantwortung den Wettbewerbern zugeschoben. Wir Bauern wollen einen fairen Dialog und zukunftsfähige Lösungen. Ein erster Schritt dazu ist die Initiative Tierwohl.
  • Ich fordere deshalb den Handel auf, seinen bauernfeindlichen Kurs endlich zu stoppen. Wir brauchen eine echte Partnerschaft und ein ehrliches Signal der Wertschätzung für unsere Lebensmittel. Ein Blick in andere EU-Länder zeigt, dass das möglich ist. Dort zahlen auch Unternehmen der großen deutschen Handelskonzerne höhere Preise an die Bäuerinnen und Bauern. Deshalb: Machen Sie dem Preiskampf in Ihren Märkten ein Ende!“
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