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Drahtwurm-Mittel in Österreich wieder zugelassen

von , am
28.01.2015

© agrarfoto
Das Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) in Wien hat gestern das Pflanzenschutzmittel „Goldor Bait“ für den Einsatz gegen den Drahtwurm in Kartoffeln für Österreich auf einer Fläche von 6.000 ha im Zuge einer Notfallzulassung gemäß Artikel 53 der EU-Verordnung 1107/2009 unter Vorschreibung strenger behördlichen Auflagen wieder – befristet – zugelassen. [[mehr]]Grundlage für diese Zulassungsentscheidung bildeten Stellungnahmen aus den Bereichen Toxikologie, Rückstandsverhalten, Umweltverhalten und Ökotoxikologie, Wirksamkeit und Phytotoxizität sowie physikalisch-chemische Eigenschaften laut der nationalen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES).

Zulassung wurde 2014 der öffentlichen Meinung geopfert

2014 war im Zuge der Bienenschutz-Debatte das Fibronil-haltige Mittel von BASF in Österreich förmlich „über Nacht“ verboten worden. Konkret wurde damals die alljährliche Notfallzulassung trotz ursprünglich positiver AGES-Gutachten vom BAES nicht mehr erteilt. Dem Vernehmen nach ging dem ein Telefonanruf aus dem Landwirtschaftsministerium (BMLFUW) mit dem „Wunsch“, das Drahtwurm-Gegenmittel aufgrund der aufgeschaukelten öffentlichen Debatte nicht mehr zuzulassen, voraus.

Während Landwirtschafts- und Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) von diversen Umweltorganisationen und NGOs für den mutigen Schritt der Nichtzulassung explizit gelobt wurde, schäumten Österreichs Kartoffelbauern. Diesen war das einzige am Markt befindliche Mittel gegen den Drahtwurm ohne Vorwarnung amtlich weggenommen worden.

Monatelange Kritik der Bauern zeigt Wirkung

In der Folge gab es zwar ein halbherziges Entschädigungsprogramm des BMLFUW mit maximal 15.000 Euro Kompensationsgeld pro Landwirt via der so genannten „de minimis“-Regelung. Da viele Höfe aber auch andere Förderungen vom Bund oder dem jeweiligen Bundesland erhalten (haben), die von der EU nicht extra bewilligt werden müssen, war das „de minimis“-Limit des einzelnen Landwirtes meist schon ausgereizt und er hatte gar keine Chance auf einen Teilersatz des erlittenen Ernte- beziehungsweise Vermarktungsschadens.

Mit ihrem Frust und der Verärgerung über das faktische Im-Stich-Lassen durch den eigenen Agrarminister hielten die Bauern nicht hinterm Berg. Kürzlich wurde Rupprechter auch bei einer Agrar-Diskussionsveranstaltung einer großen Bankengruppe wegen seines Umfallers stark von den anwesenden Bauern kritisiert.

Möglicherweise brachte eben diese nicht verstummende Bauernkritik oder auch die Angst vor allfälligen Schadenersatzklagen den Umschwung für die nun wieder erteilte Notfallzulassung. Diese wird mit 1. Februar wirksam und ist bis 31. Mai befristet. Der Verkauf beziehungsweise die Anwendung von „Goldor Bait“ nach diesem Zeitraum ist verboten.

AGES normiert neue Spielregeln

Im Zuge der Umsetzungsvorgaben für die heurige Einsatzzulassung von „Goldor Bait“ hat sich die AGES für die Bauernanliegen stark gemacht. Ihrerseits wurde auch eine entsprechende Dokumentation und begleitende Kontrolle der Mittelausbringung vorgeschlagen und diese wurden von der Herstellerin BASF als auch von den Vertretern der Imkerverbände sowie der Behörden voll akzeptiert und werden umgesetzt.

Diese Umsetzungsvorgaben sollten aber auch den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. In Ziehung stehen dabei aber vor allem die Bundesländer, die in mittelbarer Bundesverwaltung die hoheitlichen Umsetzungsvorgaben zu kontrollieren und zu dokumentieren haben.
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