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Klargelegt

Falsche Umweltversprechen

von , am
27.10.2014

Als der Pharao das Volk Israel nicht ziehen lassen wollte, schickte Gott zehn Plagen. Als erste Plage beschreibt die Bibel eine Blaualgenblüte: "Und die Fische im Strom starben und der Strom wurde stinkend, sodass die Ägypter das Wasser aus dem Nil nicht trinken konnten." Die Ureinwohner Australiens erkannten an der Farbe des Wassers, ob es trinkbar war. "Blaualgen" ist die alte Bezeichnung für teilweise giftige Cyanobakterien. Wenn der lebensnotwendige Stickstoff knapp ist, gewinnen sie die Überhand, denn sie können im Notfall Luftstickstoff nutzen. Die Pionierlebewesen besiedeln so selbst unwirtliche Stellen. Sie vergifteten in Gletscherseen das Trinkwasser für Almkühe und erstickten die Fische darin.
Vor 100 Jahren wurden Blaualgenblüten am Zwischenahner Meer beschrieben, wie heute zum Beispiel mitten in Duisburg. Seit etwa 20 Jahren wird in Seen beobachtet, dass manchmal bei sinkenden Nährstoffkonzentrationen die Blaualgen zunehmen. Niemand kennt die Formel, wie das alles funktioniert. Trotzdem verbreiten manche Ökoinstitute die von ihnen fast zu erwartende Ansicht, dass Blaualgenblüten von der heutigen Landwirtschaft verursacht werden. Staatliche Umweltschützer beantworten kritische Nachfragen zu ihrer Gutachterauswahl nicht. Seeanwohner wünschen sich klares Wasser, gesunde Fische und gute Luft. Amtliche Seesanierer versprechen das zum Beispiel am Dümmer-See.
Wenn aber 30 Jahre Sanierung eher zur Gängelung der Anwohner führte, fordern diese Rechenschaft und gründen ihren eigenen, praxisnahen Naturschutzverband. Selbst wenn alle Vorstellungen der Sanierer und ihres alten Umfelds erfüllt würden: Manche Versprechungen beruhen mehr auf Vermutungen als auf Wissen. Mit See und Menschen wurde experimentiert, manches verschlimmbessert, unerwartet eine Blaualgenplage ausgelöst, Schuldzuweisungen deswegen nach Vorurteilen und propagandistischer Zweckmäßigkeit gestreut und andere Erkenntnisse ignoriert. Plötzlich schwinden vorherige Gewissheiten, zum Beispiel über Nitrat und Phosphat, Wasservögel, Fischbesatz, Mücken, Schilfnutzung und Jagd. Erfolglose Sanierer werden in der Wirtschaft entlassen, beim Staat vermehrt. Ihren erkenntnislosen Traktaten ("Aufklärung") fehlt der ehrliche Satz: "Wir beherrschen die Blaualgenblüte so wenig wie Moses den Nil."  Georg Keckl 

 
Die Rubrik "Klargelegt" finden Sie jeden Monat in der Agrarwelt ihres dlz agrarmagazins.
>> Klargelegt Februar 2012: Macht vegetarisch mehr satt?    

Weitere Informationen zum Thema

Bibelzitat: http://www.bibleserver.com/text/LUT/2.Mose7

Australiens Ureinwohner erkennen an der Farbe des Wassers seine Genießbarkeit: http://www2008.io-warnemuende.de/forum/m_nausch/
 
Begriff Blaualgen: http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtteile_artikel,-Giftige-Alge-im-Unisee-_arid,485042.html und http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natur/Giftige-Algen-im-Zuerichsee-profitieren-vom-Klimawandel/story/25005108 und http://www.badische-zeitung.de/freiburg/rot-blueht-der-flueckigersee--43283053.html
 
Überhandnehmen von Blaualgen bei Stickstoffknappheit: Seite 409 in „Allgemeine Mikrobiologie“, Herausgeber Georg Fuchs, 1969 / 2007 Georg Thieme Verlag Stuttgart, ZITAT "Da viele Vertreter von ihnen (Cyanobakterien) Stickstoff fixieren können, gewinnen sie unter Stickstofflimitation, wenn Nitrat und Ammoniak nur in kleinsten Konzentrationen vorhanden sind und deshalb das Wachstum begrenzen, im Licht sogar die Überhand. Unter diesen Bedingungen können Cyanobakterien sich in Massen vermehren und blaugrüne Teppiche an der Wasseroberfläche bilden, wenn das sonst wachstumsbegrenzende Element Phosphor in Gewässern eingetragen wird oder zu bestimmten Jahreszeiten mit dem Tiefenwasser nach oben gelangt". ZITAT ENDE
 
 
 
 
 
 
 
Verschlimmbesserung durch Behörden: Verschlimmbesserungen durch dogmatischen Kormoranschutz und dogmatische Nitratreduzierung: http://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/tausende-fische-erstickten-lohne-423036.html und http://www.fona.de/mediathek/pdf/130722_NITROLIMIT_Diskussionspapier.pdf und Naturschützer streuen das einstmals verteufelte Nitrat in den See; http://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/methode-gegen-gestank-duemmer-3001794.html

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