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dlz-Aktuell

Frauenpower soll Bio Austria-Querelen befrieden

von , am
20.05.2015

Europas größter Biodachverband Bio Austria steht vor spannenden Neuwahlen seines Bundesvorstands am 22. Mai. Der bisherige Bundesobmann Rudolf Vierbauch darf nach zwei Amtsperioden nicht mehr kandidieren. [[mehr]]Eine geplante Statutenänderung, damit Vierbauch eine dritte Periode an der Spitze der bei Bio Austria 12.000 organisierten österreichischen Biobäuerinnen und Biobauern stehen kann, war intern letztlich gescheitert.[[mehr]]

Die Länderkonferenz von Bio Austria hatte rechtzeitig neben anderen Anträgen die angesehene oberösterreichische Bäuerin Gertraud Grabmann als Obmannkandidatin vorgeschlagen. Bis dahin galt Otto Gasselich als Geheimfavorit, der erst vor drei Jahren den großen und damals finanziell angeschlagenen Landesverband Niederösterreich/Wien als Obmann übernommen hatte und diesen stabilisieren konnte. Gasselich war ursprünglich Mitglied der so genannten Obmann-Findungskommission, trat dann aus dieser aber aus.

Wenn Zwei um einen Job rittern

Dem Vernehmen nach sollte Gasselich nun zumindest in den Bundesvorstand von Bio Austria gewählt werden, Grabmann wiederum könnte als Bundesobfrau letztlich doch noch durchfallen. Delegiertenversammlungen haben bekanntlich so ihre eigenen Spielregeln. Denn Bioinsider wollen hartnäckig wissen, dass der bisherige Bundesvizeobmann, der Salzburger Manfred Siller, als vorgeblicher Kompromisskandidat der vom Bundesverband eingebrachten Wahlliste das Rennen machen soll. Siller gilt als Vertrauter und Gewährsmann von Noch-Obmann Vierbauch. Doch der Landesverband Salzburg hat intern beschlossen, nicht Siller sondern den dortigen Landesobmann in den Bundesvorstand zu wählen.

Angesichts dieser diffusen Situation versuchten überzeugte Bios den ersten Bio Austria-Bundeschef und Vorgänger Vierbauchs, Hannes Tomic, als Kompromisskandidaten zu gewinnen. Der über alle Parteigrenzen hinweg anerkannte Tomic ist auch Preisträger des renommierten Kudlich-Agrarpreises, bestätigte der dlz auch entsprechende Kandidaturanfragen, will nach eigenem Bekunden aber der neuen Bio Austria-Bundesführung "nur für Sonderprojekte oder Teilaufgaben zur Verfügung stehen".

Bundesverband gegen Länderorganisationen

In den letzten Tagen überschlugen sich die Ereignisse, Bundesorganisation und Länderverbände vertieften sich in die Statuten und konsultierten Anwälte. Der Bundesführung passten der Länder-Wahlvorschlag und auch weitere Anträge für die Delegiertenversammlung offenbar gar nicht. Mittels Rechtsgutachten sollte insbesondere das Ansinnen, mehr Länderobleute im Bundesvorstand zu verankern, streitig gemacht werden, erzählen die Kritiker. Der Bundesverband will aber lieber frei von zu starken Länderinteressen agieren.

Die bereits über Wochen intern geführte Eskalation zwischen Bund und Ländern ist unverständlich, da die Landesverbände die Bundesorganisation zu einem guten Teil mitfinanzieren. So gehen rund 40 Prozent der Mitgliedsbeiträge der Biobauern an den Bundesverband. Dass eben der Bundesverband vor der Wahl der neuen Führung und trotz Warnung der Länder unbedingt ein neues Büro in Wien angemietet hat, hat das Gesprächsklima auch nicht gerade verbessert.

Finanzfragen und andere Probleme

Denn unabhängig von der anstehenden Wahl des neuen Bio Austria-Bundeskopfs muss die neue oberste Verbandsführung ihre finanziellen Probleme in den Griff kriegen. Auf rund 135.000 Euro soll sich der Schuldenstand des Bundesverbands belaufen. Zudem steht auch die Frage der Gemeinnützigkeit der Biovereinigung, die als Vereinszweck Mehreinnahmen für ihre Mitglieder lukrieren will und selber diesbezüglich zielgerichtete Tochterfirmen betreibt, auf dem Spiel. Ein Landesverband etwa war vor geraumer Zeit bereits mit einer entsprechenden Steuernachforderung der Finanz konfrontiert.

Für heftige Unruhe sorgt auch der oftmalige Geschäftsführungswechsel im Bundesbüro sowie die zuletzt ausgesprochenen Mitarbeiterkündigungen. Für Gesprächsstoff und interne Querelen sorgte auch, dass der oberste Bundesfunktionär Vierbauch seit Längerem neben seinen Reisespesen auch eine Art Gehalt als geschäftsführender Obmann erhält. Darauf angesprochen, meinte Bio Austria-Bundesobmann Vierbauch schon vor Monaten zum dlz agrarmagazin, dass "nur die Arbeit, die was kostet, etwas wert ist". Aus den Ländern heißt es, dass Vierbauch ein Gehalt verweigert worden wäre, das Protokoll der diesbezüglichen Sitzung allerdings noch nicht rechtskräftig sei.

Interne Befriedung und Neupositionierung nötig

Für Noch-Obmann Vierbauch werde im Vorlauf der Delegiertenversammlung "Vieles vermischt oder bewusst aufgebauscht". Zudem werde Streit in den Verband hineingetragen, um die Einigkeit zu stören. Auch habe die Delegiertenversammlung Ende 2014 zwar beschlossen, dass die Funktion des Bundesobmanns weiterhin nur ehrenamtlich ausgeführt werden soll, der vom Bundesvorstand mit ihm abgeschlossene Dienstvertrag wäre damals aber nicht unterbunden worden. Auch hätte man drei vakante Stellen im Bundesbüro zuletzt bewusst neutral ausgeschrieben, um auch Bewerber von außerhalb der Landwirtschaftsszene anzuziehen. Bezüglich der Delegiertenversammlung am Freitag ist sich Vierbauch indes sicher, dass dort "die richtigen Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden".

Egal ob die Liste Grabmann oder die Liste Siller das Rennen macht: das offensichtlich angespannte Bund-Länder-Verhältnis muss rasch geklärt werden. Sollte es am Freitag zum Eklat kommen, kann es durchaus passieren, dass die derzeitige Bundesführung bis zur Klärung aller offenen Fragen vereinsrechtlich nicht entlastet wird. Vielleicht gibt es aber doch noch eine "last-minute"-Einigung zwischen den Lagern. Mehr interne Transparenz und Information wird die neue Bundesführung künftig jedenfalls erbringen müssen.

Unabhängig von der vakanten Führungsfrage muss sich Bio Austria aber in der agrarpolitischen Diskussion neu aufstellen, um in der Bauernschaft wieder mehr zu punkten. Seit 2005 haben dem Verband rund 1.500 Biobauern ade gesagt, in der Diskussion um die nationale GAP-Umsetzung lieferte man sich ein Gefecht mit Ministerium, Bauernbund und Kammer. Auswirkungen auf die öffentliche Vereinsunterstützung sind zu befürchten, da angesichts des nationalen Budgetkonsolidierungskurses weniger Geld da ist.

Auch am Markt müssen die österreichischen Biobauern und Biobäuerinnen schauen wo sie bleiben. Insbesondere auch deshalb, weil der österreichische Biolebensmittelmarkt ganz stark von den Lebensmittelketten REWE (Billa, Merkur, Penny, Sütterlüty) und Spar dominiert wird und von diesen ein starker Bio-Verband ohnedies als Störfaktor gesehen wird.
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