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Herbe Kritik an den Milchpreissenkungen

© Koch
von , am
04.11.2014

© Koch
Der Deutsche Bauernverband (DBV) kritisiert die erneuten Preissenkungen bei Trinkmilch, die vom Lebensmittelhandel vorgenommen wurden. Es sei nicht akzeptabel, wenn Molkereien und Lebensmittelhandel als einzige Antwort auf die derzeitige Marktsituation in die alten Verhaltensmuster der Billigpreispolitik zurückfallen.[[mehr]] 
 
Dies widerspreche auch deren Verantwortung gegenüber den Milchbauern und der Milchproduktion in Deutschland. Vor allem der Lebensmittelhandel trage angesichts der Konzentration von Einkaufsmacht eine besondere Verantwortung. Handel und Molkereien könnten bei den Milchbauern nicht immer höhere Standards bei Nachhaltigkeit und Qualität einfordern und gleichzeitig eine solche Billigpreispolitik fahren, erklärte der DBV.
 
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DBV-Präsidium diskutiert über Agrarmärkte

Wenn wie im Fall des Russlandembargos durch politische Entscheidungen Marktkrisen entstehen, muss nach Ansicht des DBV zu deren Bewältigung auch politische Unterstützung erfolgen. Eine Rückkehr zu staatlicher Mengensteuerung in den Agrarmärkten und Preisgarantien lehnt der DBV jedoch weiterhin ab. Nach wie vor gehen Experten davon aus, dass es auf dem Weltmarkt Potenziale gibt, von denen die deutschen Milchbauern profitieren können. Neue Absatzmärkte insbesondere in Drittländern sind zu erschließen, wobei die Bundesregierung dies noch stärker begleiten muss, so der DBV.
 
Das DBV-Präsidium wird die Entwicklungen auf den derzeit unter Preisdruck stehenden Agrarmärkten und die daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen auf seiner heutigen Sitzung intensiv erörtern. 

Schmidt muss zum Runden Tisch laden

"Wer jetzt die Discounter zum alleinigen Sündenbock für den Preisverfall machen will, ist entweder naiv oder scheinheilig", kritisiert BDM-Vorsitzender Romuald Schaber. "Es ist nur recht und billig, dass Aldi und Co. ihre günstigeren Einkaufspreise an die Verbraucher weitergeben. Der eigentliche Skandal liegt darin, dass die Molkereien mitverantwortlich dafür sind, dass ihre Kontraktabschlüsse mit dem Handel so miserabel ausgefallen sind und nun den Milcherzeugern dadurch massive Wertschöpfungsverluste entstehen."
 
Nach Ansicht des BDM ist es völlig inakzeptabel, dass die niedrigeren Preise wieder einmal alleine auf die Milchviehhalter abgewälzt werden sollen. Nicht nur die Molkereiindustrie und die ihr nahestehenden Verbände, auch die Politik hat alle Warnsignale für einen einbrechenden Milchmarkt ignoriert, die mit Blick auf das Marktgeschehen bereits seit Herbst 2013 – spätestens aber seit Frühjahr diesen Jahres - zu erkennen waren.
 
Der BDM fordert Bundesagrarminister Schmidt daher erneut auf, dafür umgehend auf Bundesebene einen Runden Tisch einzuberufen, um mit den Milchviehhaltern deren Lösungsansätze für die Verbesserung der Marktstellung der Milcherzeuger und die Gestaltung eines wirkungsvollen Sicherheitsnetzes für den EU-Milchmarkt zu erörtern und endlich auch aktiv anzugehen.
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