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Hybridroggen: Saaten-Union erwartet steigenden Marktanteil

von , am
14.08.2015

Die Vorhersagen zum Roggenanbau 2016 liegen mit etwa 620.000 ha etwas unter dem zehnjährigen Mittel von rund 668.000 ha.

Hans-Wilhelm Henties (links), Leiter der Saatgutproduktion bei Hybro, und Jan Großterlinden, Aufbereitungsanlage Bramsche-Balkum: Der Hybridanteil bei Roggensorten in Deutschland liegt bei knapp 70 Prozent. © Bockholt
Die Roggenanbaufläche würde damit nahezu unverändert zu 2015 sein. Die Saaten-Union erwartet künftig einen weiter steigenden Hybridanteil auf über 70 Prozent. Das bedeutet für 2016 rund 800.000 Einheiten Saatgutbedarf. Die Anbauflächen für Roggen in Deutschland lagen 2006 bis 2014 etwa zwischen 550.000 und 785.000 ha. Dabei betrug der Anteil von Hybridroggen bisher durchschnittlich etwa 65 Prozent.
 
Die „Roggentour“ des Unternehmens führte 2015 nach Bramsche zum Lohnaufbereiter Jan Großterlinden. Seine Monoanlage für Hybridroggen hat eine Kapazität von rund 4.0000 Einheiten Hybridroggen täglich. "Nach Vor-, Siebreinigung und Trieur schießt ein Farbsortierer mit Druckventilen und mit Hilfe einer digitalen Kamera verbliebene Reste von Mutterkorn aus der Bahn der Aufbereitungskette" sagt der Kaufmann, der auch Maissaatgut aufbereitet. Live zugeschaltet war Wilfried Gohlke von der Saatgutaufbereitungsanlage Kleptow in der Uckermark nahe der polnischen Grenze. Dort bewirtschaftet die Hybro Saatzucht, ein Verbund aus sieben mittelständischen Gesellschaftern, weiter rund 2.600 ha Ackerland, davon etwa 700 ha Eigentum.

Mehrertrag schlägt voll auf Gewinn durch

Die beiden Aufbereitungsanlagen sind zwei von insgesamt zwölf Stationen in Deutschland sowie je eine in Frankreich und Ungarn. "Sie werden zentral von der Hybro gesteuert", erläutert Hans-Wilhelm Henties, Leiter der Saatgutproduktion bei Hybro. Das soll eine gleichmäßige Verfügbarkeit mit hoher Qualität im Laufe der Saison absichern. In allen Stufen der Vermehrung wird auf stringente Qualitätssicherung geachtet.
 
Für die Zukunft erwartet der Züchterverbund „mehr als 50 Prozent“ Marktanteil bei Hybridroggensorten in Deutschland. Die wertgeprüften Roggen-Turbohybriden bieten demnach vor allem Ertragssicherheit. Die Ergebnisse der Wertprüfung samt Zulassung durch das Bundessortenamt, der regionalen Landessortenversuche und des Anbauprogramms SU BestSeed zeigen nach Angaben des Züchters: Ertragsstärke hat direkte Folgen für das wirtschaftliche Anbauergebnis: "So bedeutet ein fünfprozentiger Ertragszuwachs bei kostenneutralem Ertrag weniger Stückkosten von 6 bis 8 €/t und 60 bis 100 €/ha mehr Unternehmergewinn", rechnet Vertriebsleiter Sönke Koop vor.
 
 

Neue Sorten bestäuben sich leichter

In den verrechneten Ergebnissen der Landessortenversuche 2014 platzieren sich Hybridsorten des Züchters auf den ersten acht Plätzen. "Die Gründe für das Abschneiden liegen zum einen in dem neu entwickelten Linienmaterial, dessen offenere Blüte eine leichtere Bestäubung ermöglicht. Zum anderen führen die durch die behutsame Einkreuzung exotischer Gene erzielte höhere Stresstoleranz und die vitalere Entwicklung zu einer höheren Ertragsstabilität", erläutert Koop. Und schließlich kommt durch das Einmischen von zehn Prozent fremden Pollen aus Populationsroggen ein zusätzlicher Heterosiseffekt zur Wirkung.
 
Ein Beispiel dafür bietet demnach die Sorte SU Cossani. Dabei spielt auch die Ertragsstruktur eine Rolle, die bei der Sorte weitgehend von der hohen Zahl der Ähren pro Quadratmeter bei stabiler Tausendkornmasse (TKM) bestimmt wird. Aktuell vermehrt die Saaten-Union zwölf Sorten unterschiedlicher Herkunft. Die Vermehrungsräume für das Vorstufen- und Basissaatgut liegen in meist klimatisch begünstigten und „roggenfernen“ Lagen Italiens und Frankreichs. Auch das Z-Saatgut wird in verschiedenen Naturräumen in Deutschland und den angrenzenden Ländern vermehrt, mit einem Schwerpunkt in Frankreich. 
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