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Umfrage-Ergebnisse

Viele Bauernkinder werden Opfer von Mobbing

Mobbing von Bauernkindern
© Roman Bodnarchuk/fotolia
von , am
13.04.2017

Mobbing von Kindern aus Bauernfamilien scheint ein echtes Problem zu sein, wie Ergebnisse einer aktuellen, bundesweiten Umfrage zeigen. Betroffen sind vor allem Jungs im Teenageralter.

Der Kinderschutzbund warnt schon länger vor zunehmendem Mobbing bei Kindern aus landwirtschaftlichen Betrieben. "Fast jede Familie ist betroffen", stellte der Johannes Schmidt, Vorsitzender des Kinderschutzbunds Niedersachsen vor einem Monat gegenüber agrarheute fest.

Die agrarheute-Umfrage zu Mobbing bei Bauernkindern, an der vergangenen Monat über 800 Personen teilnahmen, liefert dazu nun Fakten.

Mobbing von Bauernkindern ist keine Seltenheit

Mobbing bei Kindern aus Bauernfamilien kommt häufig oder sehr häufig vor, so die Meinung der Teilnehmer-Mehrheit (56 Prozent). Nur 17 Prozent glauben nicht, dass Mobbing ein Problem in Landwirtsfamilien ist. Drei Viertel der Teilnehmer haben entweder selbst Erfahrungen mit Mobbing gemacht oder kennen Bauernfamilien mit Mobbingvorfällen. "Mir ist kein Fall von Mobbing bei Bauernkindern bekannt", gaben dagegen 24 Prozent an.

Mobbing findet in der Schule statt

Mobbing findet offensichtlich vor allem im schulischen Umfeld und im Alter zwischen 10 und 15 Jahren statt. Das Umfrage-Ergebnis zeigt zudem, dass Teenager ab 13 Jahren besonders betroffen sind. Ab 15 Jahren halbiert sich die Mobbingrate. Im Kindergarten spielt Mobbing kaum eine Rolle (bis 5 Jahre). Interessant ist dabei, dass Jungs anscheinend deutlich öfter betroffen sind als Mädchen. Laut Umfrage sind zwei von drei Mobbingopfern männlich.

Lehrer mobben auch

Die Umfrage ergab zudem, dass die Betroffenen nicht allein mit Mobbing von Mitschülern konfrontiert waren; zum Teil unterstützten auch einzelne Lehrkräfte Mobbing. Gut jeder fünfte Teilnehmer gab ab, dass auch Lehrer mobbten.  Die betroffenen Kinder werden vor allem mit Beleidigungen und Beschimpfungen, aber auch mit Ausgrenzung schikaniert. 11 Prozent gaben an, dass das Kind körperliche Übergriffe erleiden musste. Mobbing im Internet ist dagegen selten und kam nur bei 6 Prozent der Teilnehmer vor.  

Das tun die Eltern gegen Mobbing

Es ist für Eltern nicht immer leicht zu beurteilen, ob ein Kind unter Mobbing leidet oder ob es sich nur um altersübliche Rangelei handelt. Alarmierend ist trotzdem, dass 45 Prozent der Betroffenen bzw. der betroffenen Eltern angeben, dass sie "nichts" gegen das Mobbing unternommen haben.

Zumindest 40 Prozent haben sich mit dem Problem an die Schule oder die Lehrkraft gewandt. 14 Prozent suchten das Gespräch mit den Eltern des Mobbers. Für 8 Prozent der Betroffenen war ein Schulwechsel die Lösung. Ein Großteil der Eltern betonte, dass sie im Gespräch mit dem betroffenen Kind versuchten das Selbstbewusstsein zu stärken.

In der Märzausgabe des dlz agrarmagazin gibt eine Schulpsychologin hilfreiche Expertentipps gegen Mobbing.

Fazit: Mehr öffentliche Wahrnehmung

Das Ergebnis der Umfrage ist alarmierend und bestätigt die Erfahrungen des Kinderschutzbunds und der Telefonseelsorger, die vermehrt Mobbingfälle von Kindern aus Bauernfamilien registrieren. Es handelt sich hierbei um ein gesellschaftliches Problem, dass bisher wenig thematisiert wurde. Das zeigen auch die Reaktionen der Umfrageteilnehmer, die sich eine breitere öffentliche Wahrnehmung des Problems wünschen.

Viele schreiben zudem, dass sie sich von den verantwortlichen Bildungsinstitutionen und Lehrkräften oft nicht ernst genommen fühlen. Gleichzeitig unterstützten einige Lehrer ein Schwarz-Weiß-Denken durch Pauschalisierungen wie "das gute Bio" versus "die böse konventionelle Landwirtschaft". Betroffene fordern nicht nur mehr Sensibilisierung der Pädagogen für das Problem, sondern auch mehr Engagement in diese Richtung von den Bauernvertretern.

An der Umfrage 'Mobbing von Kindern aus Bauernfamilien' haben 811 Personen teilgenommen.

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