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Märkte, Preise und Prognosen

von , am
19.02.2015

Diese Themen diskutierten Vertreter der vier führenden Schlachtunternehmen in Deutschland auf der Mitgliederversammlung der ISN mit den Schweinehaltern.

Auf der ISN-Mitgliederversammlung diskutierten Vertreter der vier führenden Schlachtunternehmen mit dem Publikum unter anderem über gleitende Mehrwochenpreise. © isn
So ging es zum einen um Entwicklung des Exportes in Deutschland und der EU. Der ISN-Marktexperte Matthias Quaing fragte, ob Deutschland beim Export nur noch in der zweiten Liga spiele. Während Spanien und die Niederlande ihre Exporte von Fleisch und Nebenprodukten im vergangenen Jahr hätten steigern können, sei dieser in Deutschland um sieben Prozent gesunken. Dr. Helfried Giesen, Vorstandsmitglied Westfleisch, verwies auf die zunehmend volatilen Märkte. Auch bei der Kontinuität des Angebots an Schweinen gäbe es immer stärkere Schwankungen. Diese konnte keiner der Experten so richtig erklären.Laut Helfried Giesen sei der Vergleich mit Spanien und Frankreich beim Export nicht zulässig, da sie vom russischen Embargo deutlich später betroffen waren. Auch Clemens Tönnies, Geschäftsführer der Tönnies Unternehmensgruppe, verwies auf den Wegfall des Hauptabnehmers, nämlich Russland.

Gleitender Mehrwochenpreis

Dr. Helfried Giesen wünscht sich deshalb weniger sprunghafte Märkte und stellte fest: „Hinsichtlich der Preisfindung sind wir nicht mehr up to date“. Er wünscht sich deshalb zwar eine wöchentliche Notierung, aber gleitende Mehrwochenpreise. Das könnten sich auch Godert Tegelberg (zuständig für die Sparte Schwein bei Vion) und Clemens Tönnies grundsätzlich vorstellen. Clemens Tönnis hält sogar Preisangebote mit zwei oder drei Monate Gültigkeit für möglich. Zumindest für den Teil der Schweinehalter, der dieses auch will. Trotzdem stimmten die Landwirten vor Ort dem Vorschlag nur teilweise zu. Auch Steen Sönnichsen, Geschäftsführer von Danish Crown in Deutschland fand diese Idee interessant. Er hält die Umsetzung aber für nicht realisierbar, da die Preisfindung sehr vom Exportmarkt abhängig sei.
Auf die Frage, ob die deutschen Schweinehalter für den russlandlastigen Export der vergangenen Jahre jetzt büßen müssen, machte Clemens Tönnies deutlich, dass man den Markt von heute nicht mehr mit früher vergleichen kann: „Wir schneiden das Schwein in viele Teilstücke, die wir getrennt vermarkten müssen.“ So gäbe es für die fetten Teile wie den Rückenspeck in Deutschland gar keinen Absatzmarkt mehr. „Wir brauchen Russland und die Russen brauchen uns.“ Wenn so ein Land plötzlich wegfalle, würde gezwungener Maße auch der Preis sinken. Auf der anderen Seite gäbe es Märkte, die Deutschland gar nicht sättigen könnte. Zum Beispiel der für Schweinepfötchen in China. „Wir sind auf eine gleichmäßige Vermarktung in alle Welt angewiesen“, verdeutlichte der Unternehmer.
 
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