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Klargelegt

Afrika kann Milch

Dieser Artikel ist zuerst in der DLZ erschienen.

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von , am
23.03.2016

Ägypten war die Kornkammer der Römer. Heute ist es der größte Weizenimporteur der Welt. Das Bevölkerungswachstum schlägt alle Bemühungen um neue Bewässerungsflächen und höhere Erträge.

© Georg Keckl

Pro Einwohner stehen nur noch 400 m2 Agrarfläche zur Verfügung. Der soziale Friede beruht auf subventioniertem Brot aus importiertem Weizen. Landreformen begrenzten den Landbesitz bis 1997 auf maximal 40 ha pro Familie. Armut, Erbteilungen und Ideologie verkleinerten die durchschnittliche Hofgröße auf weniger als 1 ha. Gemüse, Eier und die Milch von Kuh, Ziege oder Büffel bringen ein tägliches Einkommen. Kühe verwerten auch Gemüsereste, Stroh, Weg- und Grabenränder. Nebenan, in Israel, ist Wasser noch knapper. Aber dort stehen die Kühe mit der höchsten Milchleistung der Welt in modernsten Großbetrieben. Grundfutter wird angebaut, Kraftfutter importiert. Israel importiert 93 Prozent seines Weizenbedarfs, Ägypten 53 Prozent. Werden Produkte einer Intensivstlandwirtschaft, wie Obst und Gemüse, ganzjährig exportiert, lassen sich damit Getreideimporte aus weniger dicht besiedelten Ländern bezahlen.

Der Milchkonsum der „Mittelmeerküche“ ist gering, Israel ausgenommen. Wo die Olive wächst, war tierisches Fett (Butter und Schmalz) entbehrlich. Nur in den Trockenzonen zwischen Sahara und Tropen passte sich die Genetik des Menschen dem Nahrungsmittel Milch an. Afrikanische und arabische Hirtenvölker haben, im Unterschied zu ihren sesshaften Nachbarn im Süden und am Mittelmeer, auch eine Milchzuckerverträglichkeit als Erwachsene entwickelt. Im Nordafrika behinderte die Olive die Milchwirtschaft, südlich davon eine Mücke. Die tropische Tsetsefliege stoppte den Treck weißer Siedler von Südafrika nach Norden. Mit der Bekämpfung der Fliege und besseren Medikamenten gegen die über­tragene Schlafkrankheit bei Mensch und Rind konnte die Milchviehhaltung zu den Tropen hin ausgedehnt werden. Schwierig bleibt die gesundheitlich einwandfreie Versorgung der Megastädte mit Milch. Produktionssteigerungen halten die Eigenversorgung Afrikas mit Milch, trotz Bevölkerungswachstum, Modeideologien, Naturunbilden, Laktoseintoleranzen und steigendem Konsum, seit Jahren bei 85 Prozent!

 

Dieses "Klargelegt" ist im dlz agrarmagazin April 2016 erschienen.

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