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Klargelegt

Afrikanische Legenden

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von , am
29.06.2017

Wo man das Privateigentum unter dem Beifall falscher Entwicklungshelfer wieder in Gemeinbesitz zurückführte, verhungern heute die Menschen.

Grafik klargelegt
© Georg Keckl

Entwicklungshilfeminister Müller sucht Geld für Afrika. In seiner Rede vor dem Bundestag am 18. Mai führte er aus:

„Glauben Sie nicht, dass wir auf die Dauer unseren Wohlstand auf dem Rücken Afrikas und der Entwicklungsländer leben können, ohne dass die Menschen zu uns kommen und sich dann das holen, was ihnen gehört.“ Wir würden unseren Reichtum auch der geschichtlichen und aktuellen Ausbeutung dieser Länder verdanken.

Damit fördert der Minister eine Opfermentalität. Er stellt der illegalen Einwanderung samt Folgen einen moralischen Freibrief aus. Aber es gibt kein moralisches Schulddefizit gegenüber Afrika! Gerade vor der europäischen Kolonisation steckte Afrika tief im „Zeitalter der Unterdrückung, Erniedrigung und Ausbeutung!“ Ohne Europa hätte es zwar die Deportation von 11,5 Mio. Schwarzafrikanern über den Atlantik nicht gegeben, aber ohne die Anstrengungen Europas hätte es danach auch kein Ende der Versklavungen gegeben. Die Europäer haben die Mehrzahl der Afrikaner aus einer über 1.200-jährigen Gewaltherrschaft von sklavenjagenden Herrschern kostspielig befreit. Auf dem Wiener Kongress 1815 erklärten acht europäische Monarchien, sie wollten den Sklavenhandel unterdrücken. Englische Kapitäne, die man nun beim verbotenen Transport von Sklaven erwischte, wurden gehängt.

Trotzdem verschwand die Sklaverei in Afrika selbst nicht. Die Herrscher in Afrika und Arabien bestanden auf ihrer Tradition. Wollte man das stoppen, musste man vor Ort intervenieren, was die moralische Rechtfertigung für die Kolonisierung war. Erst dadurch hatte der Kontinent die Chance auf eine friedliche Zukunft. Togo war die einzige deutsche Kolonie, die je einen Gewinn für die Staatskasse abwarf.

Dass die Afrikaner ihre Chancen nach dem Ende des Kolonialzeitalters nicht nutzten, ist ihre Schuld. Sie haben nicht eingesehen, dass das Fundament einer Gesellschaft die sichere Lebensmittelversorgung ist, und das ist ohne einen stabilen Bauernstand mit – neu für Afrika – Privateigentum am Boden nicht zu haben. Nur so konnte Europa nach 1815 relativ stabil wachsen. Wo man das Privateigentum unter dem Beifall falscher Entwicklungshelfer gar wieder in Gemeinbesitz zurückführte, verhungern heute die Menschen. Bald lebt die Hälfte der Afrikaner in Städten. München kann auch nicht aus einem Ring von kinderreichen, handarbeitenden, armen Kleinbauern auf Gemeinschaftsland der Dorf-Bauerngemeinschaft ernährt werden.

 

Dieses "Klargelegt" ist im dlz agrarmagazin Juli 2017 erschienen.

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Weitere Informationen zum Thema

https://www.bmz.de/de/mediathek/publikationen/reihen/infobroschueren_flyer/infobroschueren/Materialie310_Afrika_Marshallplan.pdf

https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-19843.html

https://www.bmz.de/de/presse/reden/minister_mueller/2017/mai/170518_rede_bundestag_entwicklungspolitischer_bericht.html

http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecialgeschichte/d-51661373.html

http://databank.worldbank.org/data/reports.aspx?source=Africa-Development-Indicators#

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