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Klargelegt

Vom Analog- zum Veggiekäse

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von , am
25.01.2017

Beim "Analogkäse" war man sich 2009 noch einig: Wo kein Käse drin ist, soll nicht Käse draufstehen.

Grafik klargelegt
© Georg Keckl

Wo Käse draufsteht oder der Eindruck erweckt wird, dass Käse drin ist, soll Käse drin sein. Gleiches gilt für Fleisch. Auch der Name des traditionellen Ersatzprodukts Kunsthonig wurde nach langen Protesten der Imker 1977 verboten und durch "Invertzuckercreme" ersetzt.

Als man begann, Analogkäse als "veganen Käse" oder "wie Käse" zu verkaufen, war plötzlich die Einigkeit weg. Der Bundes­minister sieht darin unverändert eine Verbrauchertäuschung. Manche Verbraucherschützer, Vegetarier und Landesminister widersprechen dem. Wer will Verbraucher schützen, wer sie lenken?

Die Schwierigkeiten der Landwirtschaft mit "Analogprodukten" sind 147 Jahre alt. Kaiser Napoleon III. wollte die teuren Streichfette für seine Truppen einsparen und lobte einen Preis für eine in Tropen und Wüsten haltbare "Kunstbutter" aus.  Der Chemiker Hippolyte Mege-Mouries kochte aus billigem Rindertalg, Milch und Pflanzenöl ein festes Streichfett und ließ es als ­"Margarine" patentierten. Den Preis bekam er trotzdem nicht: Napoleon III. danke nach dem verlorenen Krieg gegen die ­Deutschen 1871 ab und kein Gourmet wollte sein Produkt ­verkosten. So verkaufte er das Patent an einen niederländischen Butterhändler, der damit den Grundstein für die heutige ­Margarineindustrie legte.

20 Jahre später kam der Butterpreis unter Druck: Margarine wurde genießbar und kostete kaum die Hälfte. Steigt heute der Butterpreis, steigen manche Verbraucher und Verarbeiter um, kommen aber wegen des Geschmacks meist auch wieder zurück. Der Spruch "Alles in Butter" fand sich vor 100 Jahren über Marktständen, die Fastnachtskrapfen backten und darauf hinweisen wollten, dass ihre Produkte besser schmecken. Ursprünglich war es ein Spruch aus der Zeit der Ochsenkarren, als Porzellan sicher umhüllt in Butterschmalzfässern transportiert wurde. Heute existieren die beiden Streichfette nebeneinander, ohne dass jemand die Geschichte der "Kunstbutter" kennen würde.

 

Dieses "Klargelegt" ist im dlz agrarmagazin Februar 2017 erschienen.

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