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Klargelegt

Darf's ein bisschen mehr sein?

von , am
24.08.2015

Der Bundeslandwirtschaftsminister verkündete im Juli in einer Pressemitteilung, wie toll sich die Biolandwirtschaft entwickelt habe. Nur vergaß er, anders als sonst, die Kernzahl zu nennen, die Entwicklung der Ökofläche.

Der SWR twitterte: „Ökoanbaufläche schrumpft – Ihre PM (Pressemitteilung) liest sich anders.“ Dabei ist es ganz einfach: Es zählt nur, wer zum 31. Dezember im Ökoprogramm war. Aber kein Minister möchte verkünden, dass bei ihm die Ökofläche schrumpft. Darum setzt die Ökobürokratie Datenlieferanten unter Druck, passt „Ergebnisse“ den wechselnden Wünschen der Minister an, bringt Phantasiezahlen. 6,3 Prozent der deutschen Höfe sind Biobetriebe, nicht 8,2 Prozent! Der „Bioanteil“ der Betriebe an der Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe beträgt nur dann 8,2 Prozent, wenn man Hotelgärtlein, Restobstflächen etc. ohne jede Verkaufsmenge und Hofstelle als „Ökobetriebe“ mitzählt.
 
Zur Aufhübschung der Zahlen wird auch mal aus Heide, Wildäsung, Übungsgelände und ähnlichem „ertragsarmes Dauergrünland“ mit Prämienansprüchen, was auf der anderen Seite den Umbruch echten Grünlands ermöglicht. 3,4 Prozent – das ist die aufklärende „Biozahl“, der Bioanteil an den Gesamtverkaufserlösen der deutschen Landwirtschaft.
 
Trotz hoher Biopreise, trotz 6,3 Prozent der Flächen, erlösen die Biobetriebe so wenig und müssen davon noch ihre höheren Kosten decken. Gute konventionelle Betriebe werden mit problematischen „Betriebsvergleichen“ in ein für sie kostspieliges Biozwischenspiel gelockt. Je schlechter die Böden, je versäumter die Flurbereinigungen, insbesondere in Hessen, je entlegener die Lage ist, umso höher ist der Bioanteil, insbesondere der „Bionebenerwerbler“.
 
Natürlich gibt es auch sehr gut verdienende Biobetriebe. Aber das ist nicht die Mehrheit. Sie leiden unter dem Strukturwandel der Bioverkaufsstellen, ähnlich wie die konventionellen Bauern. Diese unnütze „Schonung“ von Bio hat schon Menschenleben gekostet. 2011 wären nicht so vielen Menschen an EHEC verstorben, wenn bio wie konventionell behandelt worden wäre. Verwaltung hat unparteiisch zu sein und sich so rar wie möglich zu machen. Georg Keckl 

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