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Klargelegt

Ende der Vollmechanisierung

von , am
24.04.2015

Der Ersatz der Zugtiere durch Schlepper verbesserte die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Auf den Plätzen der Pferde standen bald Geld bringende Milchkühe, bis auch diese oft abgeschafft wurden und die Betriebe viehlos wirtschafteten oder sich anderweitig spezialisierten.

Hatten 1950 noch 95 Prozent der 1,6 Mio. Bauernhöfe in Westdeutschland Milchkühe, sind es heute nur noch 28 Prozent von verbliebenen 0,26 Mio. Betrieben. Damit schwand auch die politische Bedeutung der Milchviehhaltung. Zuerst gaben die Großbetriebe auf besseren Böden ihre Kuhhaltung auf. Die Personalkosten im Stall wurden zu hoch und die Arbeitsbedingungen waren anderswo besser. Großbetriebe auf Grünlandstandorten, wo der Landwirt nicht selbst melken wollte, fielen dem Strukturwandel ebenso zum Opfer wie zu kleine Betriebe, für die schon eine Melkmaschine zum Investitionsproblem wurde.

Zu Höhepunkt der Mechanisierungswelle kam es zu einer Übermotorisierung. Heute können spezialisierte Milchviehbetriebe in den spezialsierten Regionen zum Beispiel mit einem Altschlepper für nur noch wenige Einsatzbereiche wie Güllerühren, Heuwenden und Transporte auskommen. Ihr „PS-Bestand“ pro Hektar sinkt. Die Haupternte und die Gülleausbringung lässt sich über Großgeräte überbetrieblich qualitativ besser, schneller und „kostengünstig“ organisieren. Das Zeitalter der „Vollmechanisierung“ geht nun sogar auf den Großbetrieben seinem Ende entgegen. Der Schlepperbestand in Deutschland hat sich seit 1990 von 1,3 Mio. mehr als halbiert auf nun 572.020. Die Schleppermotorleistung pro 100 ha LF sank von 375 PS 1992 auf 279 PS 2007. Je größer die Betriebe werden, umso rationeller und intensiver nutzen sie Maschinen, sodass zwar die Schlepper allgemein größer werden, aber der benötigte PS-Bestand pro Fläche sinkt. Auch lösen immer mehr Spezialmaschinen den Schlepper als Vorspanngerät ab (Roder, Grasmäher etc.). Betriebe, Maschinen, Wissen und Arbeitskräfte spezialisieren sich im weltweiten Wettbewerb immer mehr. Georg Keckl 

Die Rubrik "Klargelegt" finden Sie jeden Monat in der Agrarwelt ihres dlz agrarmagazins

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