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Klargelegt

Höchste Ernte aller Zeiten

von , am
23.02.2015

Das Erntejahr 2014 brachte viele Rekorde, so bei Winterweizen, Winter- und Sommergerste, Roggen, Triticale, Körnermais, Futtererbsen, Ackerbohnen, Kartoffeln, Zuckerrüben und Äpfeln. Die Grünlanderträge dürften auch Spitze gewesen sein.

Dass sich die Rekorde über alle Produktgruppen und unterschiedliche Regionen verteilen, gab es noch nie. Nach den Aufzeichnungen war 2014 auch das bisher wärmste Jahr. Dazu gab es den optimalen Niederschlagskompromiss: für die Sandböden noch ausreichend und für die schweren Böden nicht zu viel.

Die Landwirte können das regionale Wetter für eine gute Ernte nicht beeinflussen. Auch die Preisgrundlagen für ihre Produkte richten sich heute nach den globalen Trends und Zufällen. Von diesen Preisen kann es regionale oder spezielle Abweichungen geben, doch letztlich bleibt der Weltmarktpreis der Bezugspunkt. Auch die Bio- oder Fairtradepreise machen die großen Preisschwankungen mit. Regionale Angebots- oder Nachfrageschwankungen wie zum Beispiel der Brand im Milchpulver-Sprühturm einer großen Molkerei, wo die vorgesehenen Mengen andere Verwertungen brauchten, oder regionale Ernteunterschiede verändern die regionalen Preise nur kurz.

Bei Kartoffeln führte die hohe Erntemenge und die Blockade des russischen Markts zu einem noch andauernden Preisverfall. Nicht vorher durch Kontrakte abgesicherte Ware lohnte die Ernte eigentlich nicht. Sie ist nur mühsam im Bereich der Fütterung oder in Biogasanlagen unterzubringen und ein weiteres Exportventil ging nicht auf. Früchte nicht zu ernten, widerspricht dem Berufsethos vieler Ackerbauern, obwohl dies im Bereich verderblicher Gemüse- und Obstarten bei unvorhergesehenen Marktverläufen inzwischen nicht unüblich ist.

Die Preise anderer Feldfrüchte brachen weniger dauerhaft ein. Wie 2010 nach der Wirtschaftskrise 2008 stabilisiert ausgerechnet Griechenland wieder die Agrarpreise. Die unerwarteten Kursverluste des Euro sind eine große Exporthilfe. Preisschwankungen des Weltmarkts kommen in ein von offenen Märkten lebendes Land wie Deutschland rein, gehen aber mit den Waren auch wieder raus. Diese Schwankungen nützen mal der Gewinnspanne, mal schaden sie ihr. Die Zufälle des Weltmarkts besteht nur eine international vorbildliche Produktionskette, die ihren Wissensvorsprung ständig sichert. Ebenso nötig sind ständig wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen durch den Gesetzgeber. Bisher konnte noch keine Planwirtschaft diese unplanbare Vielfalt der Einflüsse langfristig besser für alle steuern. Georg Keckl 

Die Rubrik "Klargelegt" finden Sie jeden Monat in der Agrarwelt ihres dlz agrarmagazins

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