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Klargelegt

Was können Böden dafür?

Dieser Artikel ist zuerst in der DLZ erschienen.

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von , am
22.11.2016

1982 ließ der „Stern“ in 451 Städten und Dörfern das Wasser aus den Wasserhähnen prüfen. Die Orte wurden vom Bremer Umweltinstitut repräsentativ ausgewählt.

Grafik zur Tierbestandsdichte
© dlz agrarmagazin

Ergebnis: „Das sauberste Wasser sprudelt im Norden und am Alpenrand.“ Der Trinkwasser-Grenzwert lag damals bei 90 mg Nitrat pro Liter. In 13 Kommunen  wurde der Grenzwert überschritten, neun davon in Rheinland-Pfalz (RLP). Der Stern kommentierte: „Wo der Wein wächst, ist oft das Trinkwasser schlecht.“ Der Bericht löste Schockwellen aus.

Heute wird überall der auf 50 mg/l abgesenkte Nitratgrenzwert eingehalten. 2015 fragten die Grünen im Bundestag, wo denn die höchsten Nitratwerte, diesmal im Grundwasser, gemessen werden. Wieder führten Brunnen aus RLP die Hitliste an. Im Mainzer Landtag sagte Ministerin Höfken dazu: „Nicht nur Niedersachsen ist von sehr hohen Nitratwerten schwer betroffen, sondern das ist genauso RLP.“  

Eigentlich ist RLP stärker betroffen, denn auf 42 Prozent der Landesfläche steht nitratarmer Wald. Niedersachsen hat nur 22 Prozent Wald. Aber in der Nitratdiskussion spielt RLP keine Rolle, denn dort fehlen die Hauptangeklagten: Es gibt keine „Massentierhaltung“ oder „agrarindustriellen“ Großbetriebe. Ministerin Höfken schob im Landtag einfach wieder dem Weinbau die Schuld zu. Aber es sind zuerst weder Wein noch Gemüse, Viehzahlen, Biogasanlagen oder die „Agrarindustrie“! Im Stil des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton könnte man zu dem inszenierten Durcheinander sagen: „Es sind immer zuerst die Böden, Dummköpfe!“  

In RLP gibt es viele durchlässige Böden. Die Zeiten der reichlichen „Einmaldüngung“ mit „Universal-Blaukorn“ sind vorbei. Jeder Nährstoff wird heute einzeln, oft in Teilgaben, abstandsgenau, nach Bodenproben und Empfehlungen dosiert. So wurden in den letzten 30 Jahren die Erträge bei sinkender Düngung gesteigert. Im Vergleich zu Niedersachsen sind in RLP die Tierzahlen von der Schwindsucht befallen und es gibt viele Kleinbetriebe, aber die Probleme auf durchlässigen Böden sind gleich. Eine standortangepasste Düngung bringt die Lösung, keine Pauschalurteile und Einheitsvorgaben.

 

Dieses "Klargelegt" ist im dlz agrarmagazin Dezember 2016 erschienen.

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Weitere Informationen zum Thema

STERN 42/1982 Seite 78 ff „Vorsicht Wasser“ (In dem Artikel sind es 15 Kommunen, aber bei zwei (in Badbergen/NDS und Vreden/NRW) stellte sich heraus, dass man Hausbrunnen statt kommunale Brunnen testete)

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/043/1804393.pdf (S.19)

http://www.landtag.rlp.de/landtag/plenarprotokolle/PLPR-Sitzung-16-095.pdf (S. 6239)

http://diepresse.com/home/wirtschaft/hobbyoekonom/1308933/Its-the-economy-stupid_Ein-Spruch-macht-Geschichte

http://www.keckl.de/texte/Karten_Nitrat_und_Grundwasserueberdeckung.pdf

https://www.landwirtschaft.sachsen.de/landwirtschaft/4244.htm

http://www.tll.de/ainfo/pdf/dunt1112.pdf#page=34 (ab S. 34)

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