Login
Klargelegt

Landwirtschaft: Freund oder Erziehungsobjekt?

von , am
22.06.2015

US-Präsident Obama hielt 2014 eine Rede vor begeisterten Studenten einer Universität im Auto- und Milchviehstaat Michigan. In den USA würden wieder die besten Autos der Welt gebaut und hier gäbe es die besten Farmer.

Er wolle Biotreibstoffe fördern wie auch lokale Vermarktungsformen und Biolebensmittel, die seine Frau sehr schätze. Er sprach auch die Probleme armer Farmer und anderer armer Familien an. Ein Jahr später warb der US-Landwirtschaftsminister an gleicher Stelle für ein Klimagas-Reduzierungsprogramm. Mit Begeisterung wird für freiwillige Programme geworben, von Aufforstungen bis zu Biogasanlagen. Die Regierung betrachtet die Landwirte als Partner, will sie so motivieren, obwohl die Klimagastheorie dort noch umstritten ist.
Die teuerste TV-Werbung in den USA ist die während des Sportereignisses "Super-Bowl". 2013 bewegte ein 2-Minuten-Film für ein großes Auto mit Ladepritsche die ganze Nation. Der TV-Spot bestand aus einer simplen Fotoserie mit Bauernhofbildern, unterlegt mit der Rede eines 2009 verstorbenen Radiosprechers aus dem Jahr 1978. Eine stimmgewaltige Lobrede auf die amerikanischen Farmer, eine Predigt! So verkauft man in den USA Autos! Die ganze Nation war bewegt!

Kein deutscher Autobauer würde es wagen, für so ein benzinschlürfendes Monster zu werben. Hier werden Problemdebatten kultiviert, Gewissheiten verkündet und scheinheilig Vorwürfe gestreut. Gerade wird ein "Bericht über die Energiesituation in der deutschen Landwirtschaft" erarbeitet. Man wird mit Verwunderung feststellen, dass kein anderer Wirtschaftsbereich so viel für das Klima getan hat, mit Investitionen in Solarzellen, Windräder, Biogas und Biotreibstoffe, und alle Energieformen immer effektiver nutzt. In den USA hätte die Politik das schon gefeiert. Man übertreibt dort gerne, hält aber das extrem unterschiedliche Land zusammen, bringt es weiter. Das Mehrheitswahlrecht fördert die rhetorische Begabung der Politiker und mindert den Einfluss von wortstarken Randgruppen. Georg Keckl 

Die Rubrik "Klargelegt" finden Sie jeden Monat in der Agrarwelt ihres dlz agrarmagazins

Auch interessant