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Klargelegt

Mehr Aufwand, weniger Fortschritt

von , am
22.12.2014

Von 1966 bis 2000 sind die deutschen Weizenerträge noch jedes Jahr um 117 kg/ha gestiegen. Im neuen Jahrtausend ging dieser jährliche Zuwachs auf 28 kg zurück. Nur noch Körnermais, der in unserem Klima fast nur Futterqualitäten bringen kann, liefert weiter hohe jährliche Ertragssteige­rungen.

Die geringeren Ertragszuwächse unserer anderen Getreidearten haben mehrere Gründe. Zum Beispiel ist die Konzentration des Getreideanbaues auf die für den jeweiligen Standort ertragreichsten Arten abgeschlossen. Bis etwa 1980 brachte die Wintergerste die höchsten Getreideerträge; dann überholte der Winterweizen. Durch neue Vorgaben zum "Greening" werden häufiger wieder weniger ertragreiche Arten auf die Felder kommen. Für viele Standorte hatte sich gegen Ende des letzten Jahrtausends die dafür optimale Bodenbearbeitung, Gründüngung und Nährstoffversorgung gefunden. Weitere Ertragssteigerungen und Kostensenkungen durch technische Finessen verlangen immer mehr Flächen, um sich zu rechnen. Nur große Firmen oder Züchterverbunde können sich immer aufwendigere Verfahren zur Pflanzenzüchtung wie zum Beispiel Hybridsorten leisten. Züchter strengen sich besonders bei Sorten und Arten an, die einen jährlichen Sortenwechsel verlangen.

Für Pflanzenschutzmittel wurden die Prüfmaßstäbe verschärft, was den Aufwand für deren Zulassung erhöht. Das können nur Firmen mit genügend Finanzreserven erfüllen. Ältere Pflanzenschutzmittel verlieren durch die Anpassung der Unkräuter, Schadpilze oder Insekten langsam ihre Wirkung. Neue Mittel, oft welche mit weniger Nebenwirkungen, stecken im Zulassungsstau. Es hat auch für Biobetriebe Vorteile, wenn sie von konventionell arbeitenden Nachbarn umgeben sind, die zum Beispiel Krautfäule, Disteln, Schnecken und Blattläuse in Schach halten. Kann der Rapserdfloh in den konventionellen Betrieben wegen des Verbots eines Beizmittels im Herbst nur noch mit Mühe in Schach gehalten werden, wird für den Biobetrieb daneben der Rapsanbau überhaupt fraglich.

Wird der Rapsanbau insgesamt eingeschränkt, verändert das auch die Planungen der Züchter und nicht zuletzt würde der Importbedarf für Biodiesel und Eiweißfuttermittel aus Tropenpflanzen steigen. Das alles können unbedachte Nebenwirkungen eines gut gemeinten, vorsorglichen Verbots einer Saatgutbeize sein. Georg Keckl 

Die Rubrik "Klargelegt" finden Sie jeden Monat in der Agrarwelt ihres dlz agrarmagazins

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