Login
Klargelegt

Rein oder raus aus der Milch?

Dieser Artikel ist zuerst in der DLZ erschienen.

Jetzt testen und kennenlernen - mit unseren besonderen Angeboten!

von , am
26.05.2016

Seit in der EU großzügige Exportbeihilfen für Milchprodukte Geschichte sind, schwanken die Milchpreise extremer als vorher.

© Georg Keckl

Die EU und die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) bieten inzwischen viele Informationen zu den Milchmärkten, Mengen und Preisen, im Internet an. 2013 und 2014 waren die Milchpreise hoch: in der EU im Schnitt 37 Cent/kg, was international zu einer Mengensteigerung einlud. Im April 2016 ist der EU-Milchpreis auf 27,6 Cent/kg gesunken.

Niedrige Milchpreise beschleunigen den Zug der Milch an regnerische Küsten, in feuchte Niederungen und in die Berge, wo Grünland weitgehend „alternativlos“ ist, sowie zu größeren Betrieben. Der Druck aktueller und die Unsicherheit über zukünftige Auflagen (Anbindehaltung, Hygiene, Arzneimitteleinsatz, Düngerecht) verstärken diesen Trend. Deutschland kann über die Ausgestaltung dieser Auflagen den Umfang seiner inländischen Tierhaltung steuern. Das Russland-Embargo verlangte ein Sonderopfer von der Landwirtschaft. Die Milcherzeuger und die kleinen Verbraucher in Russland trifft diese „Strafe“ für die russische Politik, aber Öl und Gas fließen weiter. 2010 hatte Russland 109.805 t Molkereiprodukte aus Deutschland bezogen, davon 86.106 t Käse. 2015 waren es nur noch 1.605 t, davon 137 t Käse. Das ergab 2010 ungefähr einen Rohmilcheinsatz von 1 Mio. t, so viel wie Hessen oder Thüringen erzeugen. Norddeutsche Milchwerke hatten auf den Export von günstiger Blockware nach Russland gesetzt. Dort gibt es noch viele Bedientheken, wo Verkäuferinnen die Blockware frisch portionieren.

Mancher wird sich nun wundern, dass viele Molkereien ihre Milchanlieferung drosseln wollen. Die Molkereien, die wenig Verträge mit Landwirten haben und viel Milch vom Spotmarkt für unter 20 Cent/kg kaufen, verhalten sich still. Wenn eine Molkerei die Ausschreibung eines Händlers verliert, die ihr zum Beispiel 30 Cent/kg eingesetzter Milch gebracht hat, kann sie die Menge unter Umständen nur noch für 15 Cent/kg auf den Spotmarkt geben. Würde dieses Geschäft 20 Prozent ihrer Milchmenge ausmachen, müsste sie den Milchpreis um 3 Cent/kg senken. Diese Ängste führen zu ständig sinkenden Angeboten der Molkereien an den Handel. .

Dieses "Klargelegt" ist im dlz agrarmagazin Juni 2016 erschienen.

Die Rubrik "Klargelegt" finden Sie jeden Monat in der Agrarwelt ihres dlz agrarmagazins

Auch interessant