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Klargelegt

Schwund bei kleinen Betrieben

Dieser Artikel ist zuerst in der DLZ erschienen.

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von , am
23.02.2016

Wer oder was führt seit 65 Jahren zum Schwund der Kleinbauern? Wenn sich keine größeren Betriebe entwickelt hätten, gäbe es dann heute überall noch kleine Betriebe, Hof an Hof im Dorf? Oder gäbe es dann gar keine Höfe und Ställe mehr?

© Georg Keckl

Wachsende und große Betriebe gibt es auch im Biobereich. 8,2 Prozent der Biofläche wird von Biobetrieben mit mehr als 1.000 ha bewirtschaftet. Der Hauptgrund für das betriebliche Wachstum lag in der Vergangenheit beim technischen Fortschritt. Wer von der mühsamen, kaum rentablen Handarbeit weg wollte, brauchte teure Technik, die sich erst ab bestimmten Einsatzstunden rentierte. Die seit 65 Jahren ständig verschärften gesetzlichen Vorgaben können nur größere Betriebe immer wieder umsetzen.

2012 gaben schlagartig 15 Prozent der Ferkelerzeuger auf, weil sie die Investitionen in Stallum- oder -neubauten für die ab 2013 vorgeschriebene Gruppenhaltung tragender Sauen nicht stemmen konnten oder wollten. Schweinemäster wollen pünktlich völlig einheitliche Ferkel mit höchstem Gesundheitsstatus aus einem Betrieb kaufen, was nur in modernen, großen Ställen gelingt. Wenn das Inland nicht liefern kann, wird Auslandsware bezogen. Inzwischen werden mehr als 20 Prozent der Ferkel aus den Niederlanden und aus Dänemark importiert.

Die Preise sind heute internationalisiert, egal was Deutschland macht. Die kleinen Milchviehbetriebe mit Anbindehaltung werden unter starken Druck gesetzt, diese Haltungsform in Richtung tiergerechterer Laufställe zu verändern. Vielen Kleinbetrieben fehlt dazu das Geld oder innerhalb der Dörfer der Platz.
Auch Bio wird immer wieder neu auf Kosten der Betriebe definiert. Der Abwärtstrend in der Eigenversorgung mit Gemüse konnte erst durch rasant wachsende Gemüsebaubetriebe gestoppt werden, die große Händler beliefern können.

Was als großer oder kleiner Betrieb gilt, hat sich in den letzten 60 Jahren stark verändert. Der unvermeidliche Rückgang der kleinen Betriebe konnte bisher fast vollständig durch wachsende Familienbetriebe aufgefangen werden, auch wenn diese Betriebe heute größere, rationellere Ställe als früher die Güter haben können.

 

Dieses "Klargelegt" ist im dlz agrarmagazin März 2016 erschienen.

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