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Klargelegt

Spargel statt Kraut

von , am
26.05.2015

Der Gemüseverzehr hat einen erstaunlichen Wandel durchgemacht. Gemüse ist heute keine billige Sättigungsbeilage mehr.

Die heutigen Gemüsearten sind Hochzüchtungen, optimiert unter anderem auf Ertrag und bessere Verdaulichkeit. Manche Gemüsearten gab es früher nicht. Bei Gemüse steht heute der Nährwert nicht mehr im Vordergrund. Gerade kalorienarme Sorten sind gefragt. Spargel und Blattsalate haben heute die größte Anbaufläche; früher dagegen waren es Erbsen und Bohnen sowie die Kopfkohlarten. Allerdings: Früher haben Hausgärten viel mehr zur Gemüseversorgung beigetragen als heute.

Erst der Trend zu vegetarischem Essen rückt die eiweißreichen Hülsenfrüchte wieder mehr in den Blick. Reine Roh- oder Urkostvegetarier sind eine Minderheit, die sich allerdings für die Spitze eines umweltfreundlichen Trends halten. Pflanzeneiweiß kann das menschliche Verdauungssystem roh nicht so einfach verdauen. Das Eiweiß in Fleisch und Fisch ist dagegen roh verdaulich, nicht nur im Thüringer Mett und in Sushi. Die Eskimos konnten sich über Jahrhunderte von rohem Robbenfleisch und Fisch ernähren.
Rund 60 Prozent unseres seit 1960 rund ­verdoppelten Gemüsebedarfs importieren wir heute. Nur bei Weiß- und Rotkohl wird mehr exportiert als importiert. Bei frischem Gemüse haben Südeuropa und die holländischen ­Gewächshäuser eine längere Erntesaison. Vor 50 Jahren gab es allein im Raum Braunschweig noch 50 Konservenfabriken. Die saisonalen Überschüsse wurden in Dosen gepackt. Die DDR ­behielt dieses Versorgungs­system bei, weil Geld für Importe fehlte. Im Winter wurde weniger Gemüse gegessen.

Nicht nur der vermehrte Griff der Verbraucher zur Frischware verdrängte die heimische Verarbeitungsindustrie samt Vertragsanbauflächen. Die Branche steht im harten Wettbewerb mit Billiglohnländern. Auch Industriegemüse erfordert viel Handarbeit. Wettbewerbsvorteile bringen Frische, Qualität, Zuverlässigkeit und neue Produktideen, wie komplette Tiefkühlgerichte oder länger frische Mini-Salat­arten im Dreierpack. Georg Keckl 

Die Rubrik "Klargelegt" finden Sie jeden Monat in der Agrarwelt ihres dlz agrarmagazins

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