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Klargelegt

Umweltkatastrophe des Jahrhunderts

Dieser Artikel ist zuerst in der DLZ erschienen.

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von , am
28.01.2016

In Südostasien spielt sich fast unbemerkt die größte Umweltkatastrophe des laufenden Jahrhunderts ab: Jedes Jahr werden zur Trockenzeit von Juli bis September Wälder auf Torf- beziehungsweise Moorböden angezündet.

© Georg Keckl

Wie am Brocken im Harz gibt es dort bei hohen Niederschlägen Torfböden auch am Hang. 2015 setzte wegen „El Niño“ die Regenzeit spät ein, sodass die Feuer besonders lange brannten. Allein mit den Feuern in Indonesien wurden dieses Jahr mehr Klimagase freigesetzt, als Japan oder Deutschland im ganzen Jahr freisetzen. In weiten Teilen des Landes war wochenlang die Sonne rauchverhangen.
Die Satellitenbilder der NASA zeigen das riesige Ausmaß der Brände und wo gezündelt wurde. Die großflächigsten Brände werden auf Moor- beziehungsweise Torfböden in der Umgebung von Papierholz- und Palmölplantagen beobachtet. Die feuchten Moorböden waren bisher für eine bäuerliche Ackerwirtschaft uninteressant, aber Plantagen mit bodenbedeckenden Ölpalmen und Papierholzarten wurden rentabel. Mit großen Baggern können die Moorgebiete entwässert und Wege angelegt werden. Wird das Moor entwässert, baut sich Torf ab und setzt die in ihm gespeicherten riesigen Kohlenstoffvorräte frei. Allein in den Torfwäldern einer der fünf indonesischen Provinzen auf der Insel Borneo ist 23-mal mehr Kohlenstoff gespeichert, als die jährlichen Kohlenstoffemissionen Deutschlands betragen. Die gesetzliche Beimischungsquote von Pflanzenölen zu Biodiesel heizte den Palmölboom weiter an. Wegen der Klimagasfreisetzung aus Moorzersetzung und Brandrodung kann in dem Fall keine „Klimagaseinsparung“ durch Palmöldiesel oder eine nachhaltige Holzwirtschaft erreicht werden.
Die größte Umweltkatastrophe des aktuellen Jahrhunderts wurde durch grüne Ideen befeuert! Wären die Urheber Mineralölkonzerne oder der „Fleischkonsum“, käme eine Katastrophenberichterstattung viel mehr in Schwung. Anfangs waren die Umweltverbände für die Idee der Klimaschützer, über einen Beimischungszwang von Biosprit zu Benzin und Diesel den Klimagasausstoß zu reduzieren. Nur die LINKE greift nun ihre Forderung nach einer Abschaffung des Beimischungszwangs auf; die anderen Parteien wollen einen radikalen Zickzackkurs nicht mitmachen.

 

Dieses "Klargelegt" ist im dlz agrarmagazin Februar 2016 erschienen.

Die Rubrik "Klargelegt" finden Sie jeden Monat in der Agrarwelt ihres dlz agrarmagazins

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