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Klargelegt

Wald immer wertvoller

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von , am
25.05.2017

Von Natur aus wäre der größte Teil Deutschlands ein Buchenwald. Kein anderes Land auf der Welt hat einen höheren Anteil am natürlichen Verbreitungsgebiet dieses Waldtyps.

Grafik klargelegt
© dlz agrarmagazin

Die Rotbuche würde bei uns auf erstaunlich unterschiedlichen Standorten zur Monokultur neigen. Der Siedlungsdruck auf die Wälder wurde bis circa 1850 immer größer. Holz und Torf waren die einzigen Brennstoffe. Viel Wald war im Gemeinschaftsbesitz und bestand nur noch aus Stockausschlägen. Größere Höfe pflanzten Eichen innerhalb der Hoffläche, nicht aus Zierde, sondern als Bauholz für das Fachwerk. Erst günstige Kohlen entkoppelten die Brennstoffnachfrage vom Wald. Bessere Transportmittel, mehr Nahrungsmittelhandel und höhere Hektarerträge stoppten Rodungen und Übernutzung. Fichten brachten schnell viel teures Holz und wurden zur vorherrschenden Baumart. Aber reine Nadelwaldplantagen bergen ökologische und wirtschaftliche Risiken. Darum wurden bei Pflanzungen seit 40 Jahren stabilere Mischwälder angestrebt.

Nach Russland birgt der deutsche Wald die höchsten Holzvorräte in Europa. Die letzte radikale Holzentnahmewelle diente zur Ausbesserung der Kriegsschäden und als Reparationshiebe nach 1945. Seither wird weniger geschlagen als nachwächst. Die vor 65 Jahren gepflanzten oder kleinen Bäume wachsen nun in immer wertvollere Sortierungen. Weide- und Streugutsammelrechte wurden abgegolten, Wurzelstöcke bleiben im Boden, Humus kann sich aufbauen und Luftverunreinigungen in Maßen, die es immer gab, düngen.

Der Wald wird ertragreicher; er hat für viele Höfe eine Sparbuchfunktion. Die holzverbrauchende Industrie ist stark. Für den Inlandsbedarf würde die eigene Holzernte knapp reichen. Trotzdem ist Deutschland weltweit auch der zweitgrößte Importeur von Holz- und Holzprodukten und wurde damit zum drittgrößten Exporteur von höher veredelten Produkten auf Holzbasis. Eine „deutsche“ Küche ist in den USA ein Statussymbol. Rohstoffe und Einfachprodukte zukaufen und selbst hochwertige Produkte immer effektiver herstellen und verkaufen – die kleinen Niederlande wurden so zu einem großen Agrarexporteur. Die „papierlose Zukunft“ stellte sich nicht ein, aber die hohe Altpapierverwendung ist ebenso ein Erfolg wie deutsches Hochglanzpapier für europäische Magazine.

 

Dieses "Klargelegt" ist im dlz agrarmagazin Juni 2017 erschienen.

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