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Klargelegt

Wandel der Berichterstattung

Dieser Artikel ist zuerst in der DLZ erschienen.

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von , am
26.07.2016

Für viele konventionelle Landwirte scheint es so, als ob ihre Sicht auf ihre Landwirtschaft in den Medien kaum noch eine Rolle spielt, ihre Argumente nicht gehört werden.

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Dabei gibt es seit der Silvesternacht in Köln, der Präsidentenwahl in Österreich, dem Brexit unter anderem einen erstaunlichen Wandel in Gesellschaft und Medien. Der Chefredakteur der Zeit schrieb in einem Leitartikel unter der Überschrift „Wie viel Volk darf’s denn sein?“ am 30. Juni dazu: „Die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Eliten müssen ihre Haltung zum Volk überdenken.“ Viele Medien haben ihre Berichterstattungen schon überdacht, prüfen die Zuverlässigkeit ihrer bisherigen Quellen, verbreitern ihre Quellenauswahl. Die Bemühungen des ganzen Landwirtschaftsbereichs um eine punktgenauere Öffentlichkeitsarbeit beginnen sich langsam auszuzahlen.

Deutlich wurde dieser Wandel zum Beispiel bei der Berichterstattung des Leitmediums Spiegel über Glyphosat. Während im Juni 2015 noch die Schreckensmeldung „WHO-Experten stufen Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein“ ungewichtet gebracht wurde, machte man sich im Juni 2016 darüber lustig, was diese WHO-Experten noch alles für „wahrscheinlich krebserregend“ halten könnten: etwa enge Schuhe, weil dann „Zehenkrebs nicht auszuschließen“ sei? Man gewichtete nun die Meldung, wie schon im Februar und März die Meldungen von Umweltorganisationen, wonach man „Glyphosat im Bier“ entdeckt habe.

Die Medien fanden raus, dass die dramatischen „Grenzwerte“ tatsächlich keinerlei gesundheitliche Bedeutung haben, wie fälschlich von den Umweltorganisationen suggeriert wurde. Man mutmaßte sogar, dass es diesen Organisationen vordringlich nicht um die Gesundheit der Verbraucher, sondern um eine „andere Landwirtschaft“, konkret um eine Behinderung der konventionellen Landwirtschaft, gehen könnte. Man attestierte den Organisationen sogar „Glyphosat im Urin: Panikmache auf Verbraucher- kosten“. Im April 2016 recherchierte man die Vor- und Nachteile von Glyphosat und berichtete neutral, dass dieses Mittel sogar ökologische Vorteile haben kann, etwa bei Minimalbodenbearbeitung.“ Georg Keckl

Dieses "Klargelegt" ist im dlz agrarmagazin August 2016 erschienen.

Die Rubrik "Klargelegt" finden Sie jeden Monat in der Agrarwelt ihres dlz agrarmagazins

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