Login
Klargelegt

Wein und Wahrheit

Dieser Artikel ist zuerst in der DLZ erschienen.

Jetzt testen und kennenlernen - mit unseren besonderen Angeboten!

von , am
29.03.2017

Der deutsche Weinbau zog aus den großen Ernten der 80er-Jahre die Lehre, dass ein Wettbewerb um die günstigsten Massenweine nicht zu gewinnen ist.

Grafik klargelegt
© Georg Keckl

Die Konzentration auf hiesige Spezialitäten verbesserte den Ruf aller Lagen, wovon auch traditionelle Spitzenwinzer profitieren. Es gibt eine Qualitätsmengenregelung für Weinerträge pro Hektar. Deutsche Erzeuger halten trotzdem nur mühsam circa 40 Prozent des Inlandsmarkts. Sie exportieren 13 Prozent ihres Ertrags in 137 Länder der Welt. Der wichtigste Abnehmer sind die USA, weil sie, wie Asien, auch unsere teuren Lagen schätzen.

Der Weinverkauf liefert 37 Prozent der Einnahmen der Landwirte in Rheinland-Pfalz, weit mehr als jeder andere Betriebszweig. Das "südliche" Klima in den großen Flusstälern lässt sich über Wein, Gemüse und Obst zum Vorteil kleiner Betriebe nutzen. Wie die Milchwirtschaft der Küste und Berge mit dem Grünland, bereichert der Weinbau die Landschaft, was über den Tourismus das Einkommen und die Attraktivität der gesamten Regionen erhöht.

Die regnerischen Monate Juni und Juli 2016 förderten den Pilzbefall der Rebstöcke. Wer nicht früh genug handelte, verlor Ertrag. Erfolgte trotzdem eine ­Infektion, standen Bioweinbauern wirksame Mittel nicht mehr zur Verfügung. Übertriebene Katastrophenmeldungen bewirkten, dass parteiübergreifend alle ­"Weinbauminister" sofort eine Wiederzulassung von Kaliumphosphonat im Bioweinbau als "Blattdünger" mit Pilzbekämpfungseffekt forderten. Der nächste Verwandte dieses eindeutigen Chemieprodukts ist das Glycin-Phosphonat, besser bekannt als Glyphosat. Inzwischen deutet nichts mehr auf einen knappen Bio­weinjahrgang hin.

Je mehr Bioflächen es gibt, desto höher wird überall der ­Befallsdruck durch schwer zu bekämpfende Pilz­krankheiten. Die starke Vermehrung der Rapsschädlinge durch das Verbot von Neonicotinoidbeizen führte bei Bioraps zu den größten Schäden. Werden durch Behandlungsverbote Vor­gewende und Feldränder zu "Distelflächen", fliegen die Samen auch auf Bio­flächen. Wenn ein Bioanbau ohne Fungizide aus der Chemie­fabrik nicht möglich ist, sollte man dies ehrlich sagen.

 

Dieses "Klargelegt" ist im dlz agrarmagazin April 2017 erschienen.

Noch kein dlz-Leser? Hier geht es zum kostenlosen Probeheft!

Weitere Informationen zum Thema

Qualitätsbeurteilung der deutschen Wein-Jahrgänge seit 1969 in Tabelle 11, Seite 17 der Weinstatistik des Deutschen Weininstitutes http://www.deutscheweine.de/fileadmin/user_upload/Website/Service/Downloads/Statistik_2015-2016.pdf

Selbstversorgungsgrad mit Wein: http://www.bmel-statistik.de//fileadmin/user_upload/monatsberichte/SJT-4090300-0000.pdf

Weinexporte: Die offiziellen deutschen In- und Exportzahlen aus der Außenhandelsstatistik für Wein schließen den Export von vorher importierten Weinen durch deutsche Weinhandelshäuser ein. Der Wein wird oft hier aus Tankzügen abgefüllt und über die Grenzen weiterverkauft. Dieser Re-Export ist viel größer als der Export hier erzeugten Weines. Vgl.: http://www.am.rlp.de/Internet/global/

Traditioneller, typischer deutscher Qualitätswein gewinnt stark an Ansehen, vgl.: „Die Wiedergeburt des Rieslings“ http://www.am.rlp.de/Internet/global/

Anteil des Weines an den Verkaufserlösen der gesamten Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz (1991 bis 2014), Tabelle „Verkaufserlöse der Landwirtschaft – in jeweiligen Preisen – in Deutschland 2014 nach Bundesländern - Anteil an Verkaufserlösen insgesamt in %“: http://www.statistikportal.de/LGR/DE_VE_y.asp?y=2014 

Um die Qualität der Weine zu erhalten und übermäßige Erträge zu vermeiden, die zu Marktstörungen führen können, verlangt das Gemeinschaftsrecht Hektarhöchsterträge festzusetzen. Die Hektarertragsregelung in Rheinland-Pfalz: http://www.lwk-rlp.de/de/weinbau/ernte/hektarertragsregelung/   Formblatt zur Berechnung der zulässigen Mengen je Prämierungsstufe: http://www.lwk-rlp.de/fileadmin/lwk-rlp.de/Weinbau/PDF/H_RNP_Beiblatt_TEM.pdf

taz: Biowinzer wollen Pestizid: http://www.taz.de/!5313318/

Ökowinzer erwarten das Ende Öko-Weinbaues wenn synthetisch hergestellte Fungizide für sie verboten werden, Bericht in der FAZ Okt. 2016: http://www.faz.net/aktuell/stil/drinnen-draussen/oekoweinbau-vor-dem-aus-14430589.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2 und http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/falscher-mehltau-erste-oekowinzer-melden-totalausfaelle-14363889.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Kalium-Phosphonat verhindert Wegwerfverluste im Öko-Salatanbau: http://www.landwirtschaft-mv.de/

Für den konventionellen Weinbau zugelassene Phosphonate mit Anwendungsauflagen: https://apps2.bvl.bund.de/psm/jsp/ListeMain.jsp?page=1&ts=1488470297191 und http://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/04_Pflanzenschutzmittel/01_neue_wirkst/neue_wirkst_Kaliumphosphonat.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Rheinland-Pfälzische Umweltministerin Höfken in fordert Wiederzulassung von Kaliumphosphonat für den Bio-Weinbau: https://mueef.rlp.de/de/pressemeldungen/detail/news/detail/News/hoefken-fordert-kaliumphosphonat-wieder-fuer-oekoweinbau-zulassen-eu-muss-nachbessern/

Hessische Landwirtschaftsministerin Hinz fordert Wiederzulassung von Kaliumphosphonat für den Bio-Weinbau: https://umweltministerium.hessen.de/presse/pressemitteilung/priska-hinz-rheingauer-weine-sind-aushaengeschild   und Seite 5641 Plenarprotokolle Hessischer Landtag: https://hessischer-landtag.de/sites/default/files/scald/files/081_PL.pdf

Baden-Württembergischer Landwirtschaftsminister fordert die Wiederzulassung von Phosphonaten im Bio-Weinbau: http://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/starke-niederschlaege-fuehren-zu-schwierigkeiten-im-weinbau/

Grüne im Bundestag fordern eine zeitlich und mengenmäßig begrenzten Zulassung von Kalium-Phosphonat im Öko-Weinbau: https://www.gruene-bundestag.de/presse/pressemitteilungen/2016/juni/weinanbau-bundesregierung-laesst-oeko-winzer-im-regen-stehen-22-06-2016.html

Fact Sheet des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN) zu Kaliumphosphonat April 2015: http://www.ecovin.de/sites/default/files/presse/downloads/bnn_factsheet_phosponsaeure_de_april_2015.pdf

Verwandtschaft Glyphosat-Kaliumphosphonat: http://www.salonkolumnisten.com/zwei-klassen-chemie/

Phosphonat verminderte Ertragsverluste, damit Wegwerfverluste, im Öko-Kartoffelanbau: http://orgprints.org/21601/1/21601_krebs.pdf

SPIEGEL Online, Sept. 2014: Winzer klagen über ein "Horrorjahr": http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wein-in-deutschland-ernte-stark-dezimiert-a-1112956.html

SWR, Sept. 2016: Riesige Ernteausfälle bei Öko-Winzern http://www.swr.de/swraktuell/rp/erste-schaetzungen-riesige-ernteausfaelle-bei-oeko-winzern/-/id=1682/did=18165940/nid=1682/16v6wg5/

Bio-Staatsweingut setzt 2016 Kaliumphosphonat ein: http://www.hanz-online.de/de/top_news/vorerst-wieder-ohne-%C3%B6ko-label-regen-setzt-staatswe_ipjmngox.html

Öko-Winzer rechnen 2016 mit Totalausfall der Ernte: http://www.berliner-zeitung.de/oekowinzer-befuerchten-totalausfall-bei-weinernte-24513388

SPIEGEL ONLINE zitiert Mitglieder des Öko-Weinbauverbandes „Horrormeldungen aus vielen Betrieben und Regionen“: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wein-in-deutschland-ernte-stark-dezimiert-a-1112956.html

Öko-Weinbauverband relativiert seine pessimistischen Ertragsprognosen nach der Ernte: http://www.ecovin.de/entdecken/nachrichten/2016-herausforderungen-beim-pflanzenschutz-im-bioweinbau

Weinjahrgang 2016, Einschätzung nach Anbaugebieten: http://www.deutscheweine.de/fileadmin/user_upload/Website/Presse/2016/PM_Weinjahrgang_2016_-_Blick_in_die_Anbaugebiete.pdf

Weinjahrgang 2016, Wunderbare Ertragsvermehrung: http://www.swr.de/swraktuell/rp/mainz/jahrgang-2016-besser-als-erwartet/-/id=1662/did=18256676/nid=1662/mbm2ny/index.html

Öko-Weinjahr eines Winzers: http://wuertz-wein.de/wordpress/2016/10/12/jahrgang-2016-ein-erster-eindruck/

Werner Raupert in der Land & Forst 5/2017 Seite 9: „Dazu kommt, dass neue EU-Bewertungen die Anzahl der bestehenden Wirkstoffe weiter schrumpfen lässt. Was die Bauern erwartet, lässt sich an den Öko-Rapserzeugern ablesen : Viele von ihnen haben durch den immensen Schaderregerdruck das Handtuch geworfen und den Anbau wegen der miserablen Erträge aufgegeben. Das könnte schon bald auch den konventionellen Rapsanbauern drohen.“

Die Rubrik "Klargelegt" finden Sie jeden Monat in der Agrarwelt Ihres dlz agrarmagazins.

Auch interessant