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Editorial

Blaues Wunder mit grün

Dieser Artikel ist zuerst in der DLZ erschienen.

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von , am
22.04.2016

Liebe Leserinnen, liebe Leser, wenn Landwirte derzeit über Marktgleichgewichte reden, geht es vor allem um Ungleichgewichte.

Detlef Steinert, Chefredakteur des dlz agrarmagazins © dlv

Denn sowohl bei Getreide als auch bei Milch und Schweinefleisch steht zu viel Angebot zu wenig Nachfrage gegenüber. Das drückt den Preis. Und das drückt die Stimmung!

Wir wollen dieses Thema an dieser Stelle lediglich streifen. Denn auch die Agrarministerkonferenz (AMK) Mitte April hat keinen wirklich wirkungsvollen Ansatz geliefert, um Milchviehhaltern zu helfen, ihre Existenz zu sichern; ebenso keinen, der langfristig Marktchancen und damit auch Existenzen sichert, geschweige denn Perspektiven aufzeigt.

Keine Frage: Angebot und Nachfrage müssen wieder den gleichen Nenner bekommen. Die Androhung staatlicher Eingriffe, sollte die Wirtschaft nicht selbst Lösungen schaffen, ist jedoch allenfalls ein zahnloser Tiger. Das wissen die Minister, Ministerinnen und Senatoren der Länder nur zu gut. Ohne die EU geht nichts, und die hat für eine Mengensteuerung derzeit kein Ohr.

Eines offenbaren die Beschlüsse der AMK jedoch. Sie tragen eine unverkennbar grüne Handschrift. Dass sich die Option Mengensteuerung im Abschlussprotokoll wiederfindet, obwohl zu Beginn der Konferenz dieser kaum jemand eine Chance eingeräumt hat, lässt sich nur damit erklären, dass die Vertreter anderer Parteien zusehends auf grüne Positionen einschwenken. Zum Vorteil der Bauern ist das nicht!

Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Kompromiss, den die rot-rote Regierung in Brandenburg mit den Betreibern der Initiative „Stoppt Massentierhaltung“ unter Ausschluss der betroffenen Landwirte ausgehandelt hat. Zwar wird es nun kein Volksbegehren geben, aber die Bauern dürfen die Suppe auslöffeln. So werden künftig Investitionen, die auch der Verbesserung des Tierwohls dienen, erschwert und die Entwicklung der Betriebe behindert.

Angesichts der neuen Koalitionen, die sich aufgrund der jüngsten Landtagswahlen anbahnen, droht also
bundesweit das Gleichgewicht zwischen – vermeintlich – gesellschaftlich Erwünschtem und wirtschaftlich Notwendigem immer weiter aus den Fugen zu geraten. Solche Szenarien lassen befürchten, dass in den nächsten Jahren kaputtgeht, was der Markt in den nächsten Monaten übrig lässt!

Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich wünsche Ihnen daher, dass Sie das Gleichgewicht behalten, um sich diesen Unbilden stellen zu können! Viele schöpfen aus der Familie die Kraft dafür. Ab Seite 20 haben wir deshalb Anregungen zusammengestellt, die Ihnen helfen können, dass gerade in schwierigen Zeiten diese Quelle nicht versiegt.

 

Dieses Editorial ist erschienen im dlz agrarmagazin Mai 2016

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