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Analyse

Zucker: Anbauexpansion und Preisrutsch

Dieser Artikel ist zuerst im Agrarmanager erschienen.

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Zuckerüben © Julia Eder
von , am
20.07.2017

Die europäische Zuckerrübenfläche für die Ernte 2017 wurde um gut 16 Prozent ausgeweitet und ist damit die größte Anbaufläche seit 12 Jahren.

Zu dieser Einschätzung kommt die Europäische Kommission in ihrem kurzfristigen Ausblick auf die Agrarmärkte. Die Erntemenge von Zuckerrüben könnte danach, wegen der etwas höheren Erträge, sogar um fast 20 Prozent zunehmen. Gleichzeitig steigt die Produktion von Weißzucker auf die höchste Menge seit 12 Jahren.

Die Endbestände könnten dennoch leicht schrumpfen, denn die Exporte werden sich nach dem Wegfall der Quote verdoppeln und die Importe dürfte sich beinahe halbieren. Der Außenhandel wird allerdings sehr stark von der Entwicklung der Zuckerpreise abhängen.

Die europäischen Zuckerpreise sind am Terminmarkt  in London von Februar bis Juni um etwa 30 % gefallen und haben sich seitdem etwa auf dem Niveau vom  Oktober 2015 stabilisiert. Auch die Preise für die neue Ernte 2017 bewegen sich am Terminmarkt in London auf dem derzeitigen Niveau.

Größte Rübenfläche seit 12 Jahren

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© Olaf Zinke

Die Europäische Kommission geht in ihrer ersten detaillierten Markteinschätzung zur Entwicklung am europäischen Zuckermarkt von einer Anbauausweitung um 16,3 % bzw. 243.000 ha auf insgesamt 1,742 Mio. ha aus. Das wäre die größte Anbaufläche für Zuckerrüben in der Europäischen Union seit 12 Jahren (2005/06) bzw. seit der damaligen Einführung der Zuckerquote (2006).

Besonders kräftige Anbauausweitungen meldete die Kommission unter anderem aus den europäischen Hauptproduktionsländern Frankreich, Deutschland, Polen, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden.

In Frankreich wurde die Rübenfläche immerhin um 17,2 % auf 472.000 ha ausgedehnt. Für Deutschland meldete man sogar eine noch kräftigere Anbauexpansion von 20,7 % auf 404.000 ha und in Polen habend die Landwirte die Rübenfläche um 15,1 % auf 232.000 ha ausgedehnt.

Sehr kräftig fällt die Anbauexpansion mit 23,7 % auf 106.000 ha  auch im Vereinigten Königreich  aus und in den Niederlanden meldet man ein Anbauplus von 25,8 % auf 89.000 ha.  Auch in kleineren Anbauländern wie Tschechien, Belgien und Italien wächst die  Rübenfläche kräftig. Relativ Stabile Anbauverhältnisse findet man in Österreich sowie in Skandinavien.

Durchschnittliche Erträge erwartet

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© Olaf Zinke

Die Rübenträge erwartet die Kommission derzeit mit durchschnittlich 73,4 t/ha geringfügig höher als im vorigen Jahr mit 71,4 t/ha. Das langjährige Ertragsmittel von 71,6 t/ha wird ebenfalls nur leicht übertroffen. Der bisherige Spitzenwert aus dem Jahr 2014 von 80,4 t/ha wird indessen deutlich verfehlt. 

Für Frankreich liegt die aktuelle Ertragsschätzung bei  88,9 t/ha und damit rund 6,0 % höher als im vorigen Jahr. Die Ertragsprognose für Deutschland ist mit 73,1 t/ha hingegen etwas niedriger als bei der vorigen Ernte mit 73,7 t/ha.

In Verbindung von Anbaufläche und Ertrag schätzt die Kommission die Produktionsmenge von Zuckerüben auf 127,95 Mio. t. Mehr Rüben wurden zuletzt im Jahr 2005 mit 137 Mio. t geerntet und (bei Spitzenerträgen) im Jahr 2014 mit 131 Mio. t. Vor drei Jahren (2014) waren allerdings die Zuckergehalte (wegen der sehr hohen Erträge) nicht so hoch, wie sie die Kommission in diesem Jahr erwartet.

Produktion übersteigt Verbrauch

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© Olaf Zinke

Die Produktionsmenge von Weißzucker schätzt die Kommission für die neue Ernte 2017 auf 20,1 Mio. t und damit knapp 20 % größer als im vorigen Jahr mit 16,8 Mio. t. Die letzte Produktionsspitze aus dem Jahr 2014 von 19,5 Mio. t würde immerhin noch um 3,0 % oder 0,6 Mio. t übertroffen.

Gleichzeitig wäre dies die größte Produktionsmenge seit dem Jahr 2005/06 (der Einführung der Quote) mit damals 21,1 Mio. t.

Der Verbrauch schätzt die Kommission ähnlich groß wie im Vorjahr auf 19,1 Mio. t. Diese Verbrauchsmenge würde von der erwarteten Produktion um etwa 1,0 Mio. t übertroffen und könnte damit erstmals seit längerem problemlos gedeckt werden.

Trotz der den europäischen Bedarf (Verbrauch) übersteigenden Produktion, geht die Kommission (derzeit) jedoch von einem weiteren Abbau der europäischen Bestände aus.

Exporte könnten sich verdoppeln

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© Olaf Zinke

Hintergrund für den Bestandsabbau ist, dass sich die Exporte in Drittländer nach dem Wegfall der Quote auf etwa 2,8 Mio. t verdoppeln könnten, während sich die Importe auf 1,5 Mio. t halbieren dürften.

Diese Erwartung hat aber ganz wesentlich auch mit der weiteren Preisentwicklung am Weltmarkt und am  europäischen Binnenmarkt zu tun und könnte durchaus noch korrigiert werden.

Zunächst einmal geht die Kommission jedoch davon aus, dass die europäischen Zuckerbestände auf den kleinsten Wert seit langem abschmelzen.

Gleichzeitig klettern die Zuckerexporte auf den höchsten Wert seit der letzten Ausfuhrspitze im Jahr 2005/06 (also vor dem Beginn der Quotenregelung).

EU-Zuckerpreise um 30 % gefallen

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© Olaf Zinke

Die Zuckerpreise (Weißzucker) am europäischen Terminmarkt in London sind von Februar bis Juni um rund 30 % gefallen und haben sich seit dem etwa bei 390 USD je t (derzeit 339 Euro je t)stabilisiert. Das sind die niedrigsten Zuckerpreise seit Oktober 2015 als am Terminmarkt in London ähnliche Preise notiert wurden.

Die Preisvorstellungen für den Zucker der neuen Ernte (Oktober bis Dezember) bewegen sich ebenfalls etwa um die Marke von 390 USD und damit etwa auf dem aktuellen Niveau. Für die Termine im nächsten Jahr  liegen die Kontraktpreise dann  wieder über 400 USD (348 Euro) je t Weißzucker und damit  etwas höher.

Die Ursache für den kräftigen Preisrückgang der letzten Monate ist jedoch nicht  hauptsächlich in dem kräftigen europäischen Angebotszuwachs zu suchen sondern vielmehr in den  sich verändernden Verhältnissen am Weltmarkt. Auch dort geht man nach drei Jahren mit einem Produktionsdefizit und schrumpfenden Beständen, für das neue Wirtschaftsjahr 2017/18 von einem Produktionsüberschuss aus.

Entsprechend deutlich sind auch die Weltmarktpreise für Rohzucker gefallen. Dort ging es mit den Preisen von Oktober bis Juni um etwa 38 % nach unten und damit noch etwas stärker als in Europa.

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