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Milchmarkt

Mehrheit für weniger Milch

von , am
04.12.2015

Die Erzeugung herunterzufahren sehen mehr als die Hälfte der Milchbauern als eine sinnvolle Reaktion in der derzeitigen Milchkrise

Milcherviehhalter in der EU werden weiter mehr Milch erzeugen. Die Nachfrage am Weltmarkt soll in den kommenden Jahren wachsen, meinen Experten. Welche Folgen hat die stärkere Exportabhängigkeit auf die Milchpreise? © agrarfoto

So haben 56 Prozent der 374 befragten Landwirte geantwortet, dass das Reduzieren der Milcherzeugung sinnvoll sei, als eine Reaktionsmöglichkeit auf die derzeitige Milchkrise. Das ergab eine Umfrage von agri Experts, dem dlv Online-Panel der Agrarbranche, die im August und September 2015 stattfand.

Blickt man auf die Entwicklung der aktuellen Milchanlieferungen ist zumindest bisher nichts von einer Angebotsdrosselung zu spüren. Die Milchanlieferungen in Deutschland lagen in den letzten Wochen zwischen 1,5 Prozent und über zwei Prozent über dem Vorjahresniveau. Allerdings begannen Ende 2014 viele Milcherzeuger die Erzeugung wegen der drohenden Superabgabe zu bremsen.

Um den EU-Milchmarkt zu stützen, hält jeder zweite Landwirt, Prämein für den Produktionsverzicht als wichtige Stützungsmaßnahme, 40 Prozent halten eine stärkere Absatzförderung geeignet. Weniger als ein Drittel sehen Exporterstattungen (29%) und höhere Interventionsspreise (28%) als  hilfreich, um den EU-Milchmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Viele wollen Wertschöpfung erhöhen

Gleichzeitig halten es 44 Prozent der Landwirte für wichtig, bessere Aufklärungsarbeit über die Medien zu leisten. Die gleiche Anzahl will auch durchhalten und mittelfristig stärker in die Wertschöpfungskette eingreifen. So sehen 29 Prozent der Landwirte in der Biomilcherzeugung einen Ausweg, 23 Prozent in der Direktvermarktung und 19 Prozent in der Weidemilch, um die Wertschöpfung pro kg Milch zu steigern.

Weniger als zehn Prozent der teilnehmenden Landwirte empfehlen, sich auf die deutsche Agrarpolitik zu verlassen. Nur jeder vierte Landwirt hält Demonstrationen in Brüssel oder Berlin für die richtige Maßnahme. Dass ein Lieferboykott die richtige Maßnahme in der Krise ist, davon ist nur gut jeder zehnte Landwirt überzeugt.

Überhang und Lebensmittelhandel sind schuld

Als Gründe für die Milchkrise sieht mehr als jede zweite Landwirt (57%) den Angebotsüberhang und die Machtspiele des Lebenmitteleinzelhandels (56%). Das Importembargo Russlands sehen immerhin 40 Prozent als Grund für die schlechten Milchpreise.

Dass der Milchmarkt sich in der Krise befindet sehen rund dreiviertel (74%) der Milchviehhalter so. Der Rest hält dies nicht für eine Krise.

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