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Mengensteuerung

Molkereien lehnen Branchenlösung ab

Milchabholung auf Bauernhof
Damit auch Milchbauern besser als bisher ihre Preisrisiken an der Terminbörse absichern können, plant die EEX Leipzig einen Rohmilchkontrakt einzuführen. © Werkbild
von , am
17.03.2016

Die Verbände der milchverarbeitenden Industrie lehnen freiwillige Mengenbegrenzungen über Branchenorganisationen ab.

FrieslandCampina erzielte mit 41,13 Cent/kg den höchsten Preis in 2013. Danach folgen Hohenloher Molkerei und Goldmilch, die knapp unter 40 Cent lagen. Basis ist eine Jahresanlieferung von 500 t Standarmilch, netto. Foto: agrarfoto

Die EU-Kommission hatte Anfang der Woche beschlossen, eine Ausnahmeregelung im Wettbewerbsrecht zu erlauben, wonach es in Zukunft möglich sein soll, eine freiwillige Mengenbegrenzung durch anerkannte Erzeugerorganisationen, deren Vereinigungen, Branchenverbände und Genossenschaften einzuführen (wir berichteten).

Der Deutsche Raiffeisenverband, der Bundesverband der privaten Milchwirtschaft und der Milchindustrie-Verband sehen in diesem Modell keinen Lösungsweg, um den nationalen und europäischen Markt zu stabilisieren. Das schließe Aktivitäten einzelner Unternehmen aber nicht aus, äüßerten die Verbände in einem Gespräch mit Bundesagrarminister Schmidt.

 Die auch bei diesem Agrarrat erneut bekräftigte Marktorientierung der Gemeinsamen Agrarpolitik führt zu einer stärkeren Abhängigkeit des EU-Milchmarktes von den weltweiten Entwicklungen. Der Milchpreis werde heute global beeinflusst. Auch die bereits in Kraft getretenen und weiter geplanten Freihandelsabkommen der EU, die von der Bundesregierung politisch ausdrücklich unterstützt werden, würden ein Abschotten der Märkte verbieten. Nationale Alleingänge im Sinne einer Mengenbegrenzung lehnen die Verbände deshalb ab.

 

Bei Export gut unterstützt

Die Molkereien fühlen sich durch die Aktivitäten der Bundesregierung in Sachen Export gut unterstützt. Bei der Öffnung von Drittlandmärkten für Milchprodukte wurde bereits viel erreicht. Lediglich der russische Markt bleibt aufgrund politischer Beschlüsse weiterhin für EU-Exporte verschlossen.

Hier bedürfe es weiterer politischer Initiativen, vor allem auf EU-Ebene, so die Molkereiwirtschaft. Sie  fordert die Bundesregierung auf, sich hierfür wie auch für den Abbau nicht tarifärer Handelshemmnisse mit Nachdruck einzusetzen

 

Milchbauern sind schuld an Misere

Die Forderung des Bauernverbandes, die Liquidität auf den Höfen zu stützen, tragen die Molkereien mit. In den schwierigen Zeiten dürfen Milcherzeuger nicht im „Regen stehengelassen werden“, notfalls sollte auch Geld aus nationalen Kassen bereitgestellt werden.

Die Ursache für die Preismisere liege in fehlenden Absatzmärkten in Russland und China bei gleichzeitig sehr hoher Milchanlieferung vor allem in West- und Nordeuropa. Die Lösung sei also auf der Ebene der Erzeuger selbst zu suchen, wobei die Molkereien eine Reaktion der Anlieferung in Folge schlechter Milchpreise bald erwarten, heißt es in einer Erklärung.

Eine Absage erteilen die Molkereiverbände Plänen zum staatlichen Eingriff in die Vermarktungsstrukturen der deutschen Molkereiwirtschaft. Die Umsetzung von Fusionen, Vermarktungsplattformen und weitere Ansätze der Zusammenarbeit liegen in der alleinigen Entscheidungshoheit der Unternehmen und deren Eigentümern. Staatliche Einflussnahme ist hier völlig fehl am Platz.

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