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Vion-Schlachthof Zeven

Aus für Zeven bringt höhere Transportkosten

Dieser Artikel ist zuerst in der LAND & Forst erschienen.

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Werksschließung Zeven
Werksschließung Zeven © Oliver Krato/Vion
von , am
13.03.2017

Die Schließung des Vion-Schlachthofes bringt auch höhere Transportkosten für die Landwirte mit sich.

Schlachthof in Zeven wird geschlossen
Vion-Schlachthof in Zeven © Oliver Krato/Vion

Dies Schließung des Vion-Standortes Zeven bedauerte Willi Behrens, Geschäftsführer der Viehvermarktung Walsrode-Visselhövede. „Wir hatten bisher unseren Abnehmer quasi vor der Haustür und müssen künftig zwei Stunden nach Emstek oder vier nach Perleberg einplanen“, erklärte Behrens. Seine Viehvermarktung muss sich nach den Worten des Geschäftsführers nun im Schweinebereich völlig neu aufstellen.

„Wir haben 60 Prozent unserer Schweine an Vion oder Vogler geliefert. Beide gibt es nicht mehr. Nun müssen wir neue Absatzwege suchen“, erklärte Behrens. Für die Mäster sei das vermutlich mit einer Kostensteigerung wegen der längeren Transportwege verbunden.

VEZG verliert Preismelder

Dr. Albert Hortmann-Scholten wurde von der Vion-Meldung „völlig überrascht.“ Der Geschäftsführer der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) bedauerte, dass die VEZG einen weiteren, wichtigen Preismelder verliert. Er geht auch davon aus, dass die Kosten steigen und die „Daumenschrauben enger werden“. Die VEZG bündelt über ihre Mitglieder zwölf Millionen Schweine und vertritt damit 25 Prozent des Marktes in Deutschland.

Ein harter Schnitt

Ein Mitglied ist die Erzeugergemeinschaft Bauernsiegel Elbe-Weser aus Uelzen. Die Verantwortlichen erfuhren erst gestern Nachmittag von der Schließung des Schlachthofes. Daraufhin informierten sie umgehend ihre Mitglieder schriftlich. Bauernsiegel lieferte jährlich 350.000 Schweine nach Zeven. „Der harte Schnitt hat uns zu diesem Zeitpunkt doch überrascht“, sagte Vorsitzender Gerd Thieße.

China-Zulassung hing wohl nicht nur von Qualitätssicherung ab

Rotenburgs Landrat Heinrich Luttmann kommentierte die Entscheidung gegenüber der LAND & Forst:  „Ich bin enttäuscht, dass die Vion AG, mit der wir bisher eine gute Zusammenarbeit hatten,  jetzt ganz kurzfristig die Anlage schließt. Das ist ein ganz herber Schlag für den Wirtschaftsstandort Zeven und die hiesigen Schweinemäster.“

Luttmann erläuterte, was für den Erhalt den Standorts unternommen wurde: „Die Leitung unseres Veterinäramtes hat gemeinsam mit dem Unternehmen in den letzten Monaten alles getan, damit der Schlachthof die Zulassung für den chinesischen Markt bekommen kann. Das ist leider nicht gelungen, weil wohl Fragen der Qualitätssicherung nicht allein eine Rolle gespielt haben.“

Der Landrat gibt zu bedenken, dass es gerade unter dem Aspekt des „Tierwohles“ bedauerlich sei, dass die Landwirte nun längere Transportwege für ihre Tiere in Kauf nehmen müssen.

Standort nicht wirtschaftlich

Dr. Heinz Schweer, Aufsichtsratsvorsitzender der Vion Zeven AG und Direktor Landwirtschaft der Vion Food Group, erklärte im Gespräch mit der LAND & Forst, dass der Schlacht- und Zerlegebetrieb in Zeven seit mehr als vier Jahren nicht mehr wirtschaftlich sei. Die Verluste beliefen sich auf einen hohen siebenstelligen Betrag.

Die Hoffnung, eine Zulassung für den Export von Schweinefleisch nach China zu erhalten, habe sich leider nicht erfüllt. „Damit hätten wir fünf Euro mehr pro Schwein erlösen können, was wiederum eine Perspektive für Zeven gewesen wäre“, sagte Schweer. Den Zuschlag für China bekam allerdings Mitbewerber Vogler Fleisch, der inzwischen insolvent ist.

Management verantwortlich?

Der Sekretär Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststäten (NGG) für den Raum Zeven, Thorsten Zierdt, machte im „Weser Kurier“ das Management für die Schließung des Schlachthofes verantwortlich. „Es gab nicht mehr genug Schweine zum Schlachten. Das Management hat versagt und nun muss der kleine Mann am Band das ausbaden.“ In jedem Fall werde Vion nicht zum 28. April schließen können. „So schnell geht das nicht“, betonte Zierdt.

Bisher hat Zeven immer von der guten Lage im Elbe-Weser-Dreieck profitiert. Sogar Landwirte aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern waren Kunden. Zuletzt wurden bis zu 19.000 Schweine pro Woche geschlachtet und verarbeitet. Die sollen nun nach Emstek wandern, wo offenbar in der aktuellen Produktion noch „Luft nach oben“ besteht. Zusätzlich soll ein Antrag auf eine Erweiterung von 70.000 auf 80.000 Stück gestellt werden.

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