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Milchbauern nicht überfordern

von , am
12.03.2015

Die langfristigen Markttrends lassen die deutschen Milchbauern positiv in die Zukunft blicken. Diese Perspektive werde jedoch von zahlreichen drohenden neuen Auflagen für die Produktion getrübt.

© Werkbild
Dieses Fazit zog Udo Folgart, Milchbauernpräsident und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) auf dem 6. Berliner Milchforum. Aktuell würden insbesondere die offenen Fragen zur Novelle der Düngeverordnung und die Diskussionen zu neuen Auflagen für die Milchviehhaltung bei Landwirten zur Zurückhaltung und zur Vorsicht bei Investitionen sorgen. Das Interesse gesellschaftlicher Gruppen an der Weiterentwicklung von tiergerechten Haltungsbedingungen dürfe nicht in einer immer höheren Taktzahl neuer Vorgaben münden, die die Betriebe angesichts Investitionsvolumen und Abschreibungen wirtschaftlich letztlich überfordern würden, betonte der Milchbauernpräsident.
 
 

Längere Sperrfristen machen keinen Sinn

Aktuell werde politisch zum Beispiel über das Enthornen sowie über ein Verbot der Anbindehaltung diskutiert. Folgart stellte hierzu klar: "Die Haltung von Kühen ist in den zurückliegenden Jahrzehnten sehr innovativ weiterentwickelt worden. Damit haben viele Milchbauern schon vor der gesellschaftlichen und politischen Diskussion tiergerechtere Haltungsbedingungen verwirklicht. Neue Vorgaben müssen zudem sicherstellen, dass sie auch tatsächlich dem Tierwohl dienen und den Strukturwandel nicht anheizen."
 
Folgart äußerte sich beim Milchforum auch zur anstehenden Novelle der Düngeverordnung. "Die Vorgaben für die Düngebedarfsermittlung sowie die Flächenbilanz sind für milchviehhaltende Unternehmen mit Grünland und Feldfutterbau nicht umsetzbar. Hierzu muss es dringend grundlegende Veränderungen geben", kritisierte Folgart. Auch die vorgesehenen Verlängerungen der Sperrfristen machten fachlich keinen Sinn.
 
Milchbauern erwarteten angesichts der geplanten Einbeziehung von Gärresten in eine Düngungsobergrenze von 170 kg Stickstoff je Hektar, dass die Derogationsregelung schnellstmöglich in Brüssel bewilligt werde, um den höheren Nährstoffbedarf des Grünlandes über Wirtschaftsdünger überhaupt decken zu können. Folgart kritisierte auch die vorgesehene Möglichkeit für einzelne Bundesländer, noch striktere Regelungen im Düngerecht vorzunehmen. Diese Uneinheitlichkeit würde innerhalb Deutschlands zu einem Flickenteppich und damit zu Wettbewerbsverzerrungen führen. 
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