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Milchkrise: Bauern fordern mehr Exporte und Finanzhilfen

von , am
31.07.2015

Um eine Wende zu erreichen, sei ein Bündel von Maßnahmen notwendig.

© landpixel
Dazu zählt Udo Folgart Milchbauernpräsident und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), eine Verbesserung der Molkereistrukturen, eine Exportoffensive sowie ein Ende der Niedrigpreisstrategie des Lebensmitteleinzelhandels, so dass Investitionen in geforderte höhere Standards auch verdient werden können (siehe aktuelle dlz-Ausgabe August 2015). Außerdem müssten politische Initiativen zur Aufhebung des Russland-Embargos ergriffen werden.
 
Die Zusatzeinnahmen aus der Milchquoten-Superabgabe der EU müssten zur Überbrückung der Liquiditätsengpässen, die vor allem im russischen Importembargo begründet liegen, verwandt werden. Das DBV-Präsidium hatte bereits im Juni 2015 in einer Erklärung sehr dezidiert diese Handlungsoptionen beraten und beschlossen.
 

Superabgabe für Exporte nutzen

Folgart zeigte auf, dass die heimischen Milchbauern ihre Milchproduktion auch nicht nach dem Ende der Milchquote (1. April) nicht erhöht hätten. Im ersten Halbjahr 2015 hätten die deutschen Milchbauern knapp ein Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum gemolken. Auch in der EU ist die Milchproduktion im gleichen Zeitraum in etwa stabil geblieben (plus 0,2 Prozent). Die Erzeugerpreise seien jedoch von 40 Cent je Liter Milch im Januar 2014 auf unter 28 Cent im Juli 2015 abgestürzt.
 
Zur Unterstützung der Milchbauern schlug Folgart erneut die Verwendung der Strafzahlungen des letzten Milchquotenjahres (Superabgabe) für Exportmarketing sowie für direkte Einkommenshilfen vor. Liquiditäts- und Bürgschaftsprogramme müssten zusätzlich den Betrieben kurzfristig Luft verschaffen. Die Landwirtschaftliche Rentenbank habe hierzu schon ein erstes Angebot entwickelt. Auch die beantragten EU-Direktzahlungen müssten von den deutschen Behörden unbedingt noch vor dem Jahresende an die Landwirte ausgezahlt werden, fordert der DBV.
 
 

Endlich Risikorücklage einführen

Der Milchbauer und Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, Heinz Korte, fordert eine weitere Flankierung: "Die vom Bauernverband seit Jahren geforderte Risikoausgleichsrücklage, die der deutschen Landwirtschaft bisher nicht ermöglicht wurde, würde in diesen schweren Zeiten den Milch- und Schweinehaltern bei der Erhaltung der Liquidität ihrer Betriebe helfen", stellte Korte fest. Auch die Auflagenflut habe enorme Folgen für die Betriebe.
 
Die Düngeverordnung, neue Vorgaben zur Lagerung von Gülle und weitere Auflagen für den Tierschutz heizten angesichts der Marktentwicklung den Strukturwandel bei den Milchbauern an, gerade bei den kleinen und mittleren Betrieben, kritisiert Korte.  
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