Login
dlz-Aktuell

Milchkrise: Freier Markt ist Königsweg

von , am
01.10.2015

Agrarökonom Prof. Dr. Reiner Doluschitz äußert sich zur prekären Lage auf dem Milchmarkt. Freier Markt und ein Strukturwandel sind für ihn langfristig die Lösung.

© Uni Hohenheim
Die Situation auf dem Milchmarkt spitzt sich weiter zu. Ausländische Absatzmärkte brechen weg, doch nach dem Wegfall der EU-Milchquote im Frühjahr produzieren die Erzeuger immer mehr Milch - und das drückt die Milchpreise. Der Milchpreis ist so niedrig, dass sich viele Landwirte vor dem Aus sehen. 
"Fakt ist, dass die angelieferte Milchmenge seit dem Wegfall der Milchquote Ende März zugenommen hat, der Absatz im Inland jedoch stagniert" zeichnet Prof. Dr. Reiner Doluschitz, Leiter des Fachgebiets Agrarinformatik und Unternehmensführung an der Universität Hohenheim, ein Bild der Lage.

Nicht alle werden überleben

Doluschitz ist davon überzeugt, dass der freie Markt der Königsweg aus der Krise ist - auch wenn er für viele Milchbauern zeitweise schmerzhaft sein wird.
 
Die Situation, so Prof. Dr. Doluschitz, käme nicht unerwartet. "Wir haben noch einen dramatischen Strukturwandel vor uns. Aber die Landwirte müssen lernen sich als Unternehmer zu verstehen." Auch kleinere Milchviehhalter seien jetzt mit den freien Märkten konfrontiert: "Nicht alle Betriebe werden diesen schmerzhaften Prozess der Marktbereinigung überleben, aber danach sollten die anderen wieder ein vernünftiges Einkommen erzielen."

Fernost als Chance

Eine Chance sieht der Agrarökonom darin, neue Märkte vor allem im außereuropäischen Ausland zu erschließen. "Daran sollte intensiv gearbeitet werden. Der russische Markt ist momentan durch das Einfuhrverbot gesperrt. Aber die fernöstlichen Märkte haben Potenzial." Die Nachfrage beispielsweise in China nehme ständig zu, im Land selber habe Milcherzeugung jedoch keine Tradition. Seitens der Politik erwartet der Experte dabei Unterstützung - allerdings nicht in Form von Exportsubventionen. "Das wäre nicht mit einer Liberalisierung der Märkte vereinbar." Vielmehr denkt er dabei an Imagekampagnen oder Hilfe bei der Suche nach neuen Absatzmöglichkeiten.
 

Keine Eingriffe ins Marktgeschehen

Von einer Wiedereinführung einer Mengenregulierung rät der Experte jedoch ab: "Das Instrument der Quotenregelung hat versagt, stabile Preise gab es dadurch auch nie. Stattdessen wurden nicht mehr marktgerechte Strukturen künstlich aufrechterhalten, so dass der Wandel nun umso schwieriger ist."
 
Auch Interventionskäufe stellten keine Lösung des Problems dar. "Die Ware ist nur vorübergehend vom Markt genommen. Es wird ein künstlicher Markt geschaffen, der den Wandlungsprozess nur verzögert", meint der Wissenschaftler.
 
Auch interessant