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Milchmarkt: Copa-Cogeca fordert Handeln der EU

von , am
29.07.2015

Die Milchmarktlage in der EU hat sich in den letzten vier Wochen rapide verschlechtert. Ohne Eingreifen der EU sind viele Erzeuger bis Ende des Jahres zur Betriebsaufgabe gezwungen. Dies betonte die Interessenvertretung europäischer Landwirte Copa-Cogega in einer Sitzung der EU-Milchmarktbeobachtungsstelle.

© landpixel
Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe "Milch" von Copa-Cogeca, Mansel Raymond, sagte "Der Markt ist in einem sehr viel gefährlicheren Zustand als noch vor vier Wochen, da die Erzeugerpreise weit unterhalb der Produktionskosten liegen. Für viele Milchbauern in ganz Europa ist die Lage kritisch, und es kommt bereits landauf, landab zu Demonstrationen." Die EU-Kommission müsse tätig werden, um die Lage kurzfristig zu verbessern, damit die Erzeuger die Nachfrage befriedigen können, die mittelfristig steigen dürfte.
 
"Da 88 Pozent der in der EU erzeugten Milch für den europäischen Verbrauch bestimmt sind, muss die Lage auch von allen Akteuren in der Versorgungskette ernst genommen werden. Wenn die Einzelhändler weiterhin die Preise drücken, wird es bis zum Winter zu einem massiven Ausstieg von Milcherzeugern aus der Branche kommen, was zu mehr Volatilität auf dem Markt führen wird. Hier brauchen wir ein Engagement des Einzelhandels. Ein Verlust an Produktionskapazität im Milchsektor würde auch den Fleischmarkt beeinträchtigen", so Raymond weiter.
 

Direktzahlungen müssen früher kommen

Im Hinblick auf zentrale Maßnahmen sagte er: "Wir möchten, dass die EU-Kommission es den Mitgliedstaaten erlaubt, die Direktzahlungen vor dem 1. Dezember auszuzahlen. In einer Lage, in der die Milchbauern dringend liquide Mittel benötigen, werden rund 700 Millionen Euro aus dem Milchsektor abgezogen. Diese sollten in den Sektor zurückfließen, um den Landwirten bei ihren Cash-Flow-Problemen zu helfen. Zudem muss der EU-Interventionspreis angehoben werden, um auf dem Markt eine Untergrenze zu schaffen. Zuletzt wurde er 2008 festgelegt, was dazu führt, dass er mittlerweile weit von den Produktionskosten entfernt ist. Ohne diese Maßnahmen werden wir in Zukunft keinen bestandsfähigen Milchsektor mehr haben, der die wachsende Nachfrage befriedigen und sicherstellen kann, dass die Verbraucher über eine ausgewogene, nahrhafte Ernährung verfügen."
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