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Milchpreise: Eine einzige Enttäuschung!

© Josef Koch
von , am
18.05.2015

Die jüngsten Milchpreissenkungen im Lebensmittelhandel seien eine einzige Enttäuschung.

© Josef Koch
Die Discounter verramschen Milchprodukte. Dieses Fazit zog Dr. Hans-Jürgen Seufferlein, Geschäftsführer des Verbandes der Milcherzeuger Bayern (VMB), auf der VMB-Mitgliederversammlung Mitte Mai. Die stark reduzierten Preise für Milchprodukte im Handel setzten die Milchbauern unter Druck.
 
So konnte das bisherige Preisniveau nicht gehalten werden, geschweige denn konnten die nötigen und angebrachten Verbesserungen erreicht werden. Stattdessen haben die Discounter Anfang Mai wieder den Rotstift bei den Preisen an den Kühlregalen angesetzt. So verkaufte Lidl einen Liter Milch für 55 Cent, Aldi reduzierte die Preise für Milch, Schlagsahne, Kondensmilch, Crème fraîche und Butter teilweise um mehr als zehn Prozent. "Während die Anforderungen der Verbraucher immer höher werden und Milcherzeuger viel Zeit und Geld in das Wohlergehen ihrer Tiere investieren, werden ihre hochwertigen Produkte zu Schleuderpreisen angeboten", sagt Seufferlein. "Die Preisverhandlungen sind deshalb eine einzige Enttäuschung!" 
 
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Milchanlieferungen waren unter Vorjahr

Dabei waren die Hoffnungen der Milchbauern auf einen erfolgreichen Ausgang laut Dr. Seufferlein durchaus berechtigt: Die Lage auf dem Milchmarkt hatte sich im ersten Quartal 2015 überraschend positiv entwickelt. Während die Nachfrage nach den hochwertigen Milchprodukten aus Bayern weiterhin hoch ist, gingen in der EU die Milchanlieferungen wegen drohender Strafzahlungen („Superabgabe“) zurück. Gleichzeitig war auch die Milcherzeugung in Neuseeland wegen einer Trockenperiode rückläufig.
 
 
 
 
 

Druck von norddeutschen Molkereien

In den Wochen nach dem Quotenende haben sich die Anlieferungsmengen in Deutschland nicht erhöht. Im Gegenteil: Die momentane Milchmenge liegt knapp ein Prozent unter dem Vorjahresniveau. "Die deutschen Molkereien waren bis in den März hinein zuversichtlich, was die Entwicklung des Milchmarktes angeht", bestätigt Dr. Hans-Jürgen Seufferlein. Trotzdem ist es den Molkereien weder bei den Vertragsverhandlungen zu Käseprodukten noch bei den Verhandlungen für Milch, Sahne und andere Produkte der "Weißen Linie" gelungen, die an den Markt angepasste Milchmenge aufzunehmen und im Sinne der Milcherzeuger zu vermarkten. So sei der Druck auf die Preise vor allem von zwei norddeutschen Molkereien ausgegangen, erläuterte der VMB-Geschäftsführer Seufferlein.
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