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Naturschützer sind auf Betriebsprämien scharf

von , am
30.10.2014

© agrarfoto
Geht es nach dem Willen von Naturschützern sollen die Betriebs- und Umweltprämien für Landwirte künftig um knapp die Hälfte sinken und die Mittel zum Erhalt der Agrobiodiversität ausgegeben werden. [[mehr]]
So bezifferte die BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel den Finanzbedarf für eine biodiversitätsfreundliche Landbewirtschaftung zwischen 1,1 und 3,2 Mrd. €/Jahr. Dieser Bedarf liegt bei 12 bis 40 Prozent der gegenwärtigen Ausgaben der Agrarpolitik von ca. 8 Mrd. Euro pro Jahr in Deutschland. "Aufgrund der Zahlungsbereitschaftsanalysen und der Wertschätzung der Bevölkerung für eine vielfältige Landschaft gehen wir davon aus, dass eine solche Umschichtung von Agrarfördermitteln auf eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung treffen würde", sagte Beate Jessel.
 
Die unsichtbaren ökonomischen Verluste, die beispielsweise beim Umbruch von artenreichem Grünland in Ackerland entstehen, lägen laut Jessel bei ca. 500 bis 2000 Euro pro Hektar. Nach Ansicht von Jessel gebe es in Bezug auf die Ertragswerte der landwirtschaftlichen Produktion einen Widerspruch zwischen kurzfristigen und langfristigen Notwendigkeiten. "Betrachtet man den Gesamtwert der verschiedenen Ökosystemleistungen, liegt zwar die landwirtschaftliche Produktionskapazität bei extensivem Grünland deutlich niedriger als bei intensivem Grünland oder gar Ackerland. Rechnet man allerdings die Bedeutung des Grünlands für Kohlenstoffspeicherung und Klimaschutz, für den Rückhalt von Nährstoffen und die Grundwasserqualität sowie die Erholung mit ein, gleichen diese übrigen bewerteten Ökosystemleistungen das auf lange Sicht mehr als aus. Gerade diese Leistungen, die positiv in die Bilanz eingehen, müssen von der Gesellschaft gegenüber der Landwirtschaft entsprechend honoriert werden", fordert Jessel.
 

Agrobiodiversität als Rückversicherung

Nach Ansicht des BfN müsste neben diesen unmittelbaren Nutzen auch die Funktion der Agrobiodiversität als "Rückversicherer" gewürdigt werden. "Seit die Gefährdung ganzer Bienenvölker immer stärker in das Bewusstsein der Menschen gerückt ist, ist auch das Bewusstsein um die Wichtigkeit der Bestäuberleistungen gestiegen. 75 Prozent der 115 global bedeutsamen Kulturpflanzen mit einem Marktwert von 150 Mrd. € pro Jahr hängen von der Bestäubung durch Bienen ab (Früchte, Gemüse, Nüsse, Ölfrüchte, Arzneipflanzen). Deswegen ist es auch volkswirtschaftlich sinnvoll, Landwirtschaft so zu betreiben, dass Bienen geschützt und die Vielfalt der Wildbienen gestärkt wird", sagte Beate Jessel.
 

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