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dlz-Aktuell

Neun bayerische Höfe mit BHV-1 aus Österreich angesteckt

von , am
04.03.2015

In Österreich wurden nach Exklusiv-Informationen der Österreich-Ausgabe vom dlz agrarmagazin 20 österreichische Betriebe positiv auf BHV-1 getestet. Auch auf neun bayerischen Höfen wurde das Virus festgestellt.

© landpixel
Im Zuge der Ermittlungen rund um die IBR/IPV-Erkrankungen österreichischer Exportzuchtrinder nach Algerien wurden die Kontaktbetriebe des betroffenen Tiroler Viehexporteurs von den österreichischen Veterinärbehörden in den letzten Wochen großflächig abgeklärt. Dazu wurde für die letzte Woche sogar ein landesweites Zuchtviehverbringungsverbot in Österreich verhängt. Das Virus sprang via Tierverkehr allerdings auf Bayern über.

Österreich hat frühzeitig informiert

Laut Mitteilung des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist in Bayern aufgrund veterinärbehördlicher Ermittlungen auf neun Höfen, die im Kontakt mit dem österreichischen Händler standen, die Rinderherpes-Erkrankung BHV-1 festgestellt worden. Die österreichischen Veterinärbehörden hatten den Freistaat Bayern aber bereits vor Wochen beim Vorliegen des innerösterreichischen Verdachts auf einen BHV-1-Infektionszug umgehend vorinformiert.
 

Ausgangspunkt war Tiroler Handelsstall

Das BHV-1-Ausbruchgeschen hat seinen Ursprung in Tirol bei einem großen österreichischen Viehexporteur, der Geschäftsbeziehungen durch ganz Europa hat. Vermutet wird, dass im Zuge der EU-weiten Handelsströme der BHV-1-Virus mit Handelsrindern aus Tschechien nach Österreich eingeschleppt worden war. Offenbar geschah dies bereits Im Spätherbst bzw. Ende 2014, denn bereits aus Österreich nach Algerien exportierte Zuchtrinder zeigten in BHV-1-positive Befunde. Diese wurden laut den algerischen Behörden zwischenzeitlich gekeult.
 

AGES befundet rund um die Uhr

Aktuell wurden in Österreich 403 Kontaktbetriebe des Tiroler Viehhändlers identifiziert und diese stehen allesamt  in behördlicher Überprüfung. Bisher wurden nach Exklusiv-Informationen der Österreich-Ausgabe vom dlz agrarmagazin  20 österreichische Betriebe positiv getestet – 14 Höfe in Tirol, einer in Oberösterreich, vier in Niederösterreich und einer in Vorarlberg. Zudem gibt es die bayerischen Fälle sowie zumindest zwei positive Befunde in der Schweiz.

In Österreich wurden mit dem aktuellen Seuchengeschehen insgesamt 5408 Tiere identifiziert und diese stehen alle in Untersuchung. Davon wurden von den Laboren der staatliche AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH)  bisher 118 Rinder positiv und 4794 negativ auf BHV-1 befundet. Die Auswertung der noch offenen Rinder läuft weiter auf Hochtouren wie der österreichische oberste Staatsveterinär (CVO) Dr. Ulrich Herzog gegenüber dem dlz agrarmagazin aktuell versicherte.

Seuchenfreiheit = Exportvorteil

Österreich, das seit 1999 als BHV-1(IBV/IPR)-frei gilt, nimmt den aktuellen Tierseuchenfall – BHV ist für die Konsumenten absolut ungefährlich – sehr ernst und hat ein anlassbezogenes Betriebsscreening veranlasst, das noch in Umsetzung steht. Insbesondere ist die BHV-Seuchenfreiheit ein wichtiger Faktor im Zuchtrinderexportgeschäft. Die österreichische Rinderzucht (ZAR, zentrale Arbeitsgemeinschaft der Rinderzuchtverbände) sieht in den laufenden hoheitlichen Veterinärmaßnahmen die Garantie, dass der Exportvorteil für österreichische Rinder weiter aufrecht bleibt.
 
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