Erbse, Bohne und Co. Blattkrankheiten in Leguminosen im dlz-Check

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Ein Bohnenblatt mit Blattflecken © Michael Lenz Bild vergrößern
Häufig treten Ackerbohnenrost, erkennbar an den braunen Pusteln, und Botrytis-Schokoladenflecken gemeinsam auf. Tolerante Sorten, frühe Saat und Fungizideinsatz dämmen den Befall ein.
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Klingen süß, führen aber zum Totalausfall: Schokoladen- und Brennflecken, Roste und Nanoviren haben im vergangenen Jahr Erbsen, Bohnen und Sojabestände dahingerafft.

Sollte die EU den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf Greeningflächen tatsächlich verbieten, wird der Boom beim Leguminosenanbau stark gebremst. Eine Bekämpfung von Unkräutern und Ungräsern, von Krankheiten und Schädlingen ist im konventionellen Anbau dann kaum noch möglich.

Fußkrankheiten: Von den verschiedenen Pilzkrankheiten dominieren bei allen Leguminosenarten die Auflauf- und Fußkrankheiten durch Fusarium-, Rhizoctonia- und Phythium-Arten. Besonders bei kühl-feuchten Saatbedingungen und verschlämmten, nassen Böden laufen die Pflanzen oft zögerlich und lückig auf. Die jungen Pflanzen vergilben und zeigen meist nur schwaches Wachstum. Ursache sind verschiedene bodenbürtige Pilze, die häufig als Komplex auftreten.

> Bekämpfung: Schnelles Auflaufen fördern und Saatgut beizen. Enge Fruchtfolgen mit Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben vermeiden.

Erbsenkrankheiten

Brennflecken an der Erbse © Michael Lenz Bild vergrößern
Brennflecken haben diese Erbsen im Juli vergangenen Jahres an allen Pflanzenteilen befallen. Die Erreger können im Boden lange überdauern.

Die Brennfleckenkrankheit (Ascochyta pisi, Mycosphaerella pinodes, Phoma medicaginis) zeigt sich durch abgegrenzte, rundliche, hellbraune bis graue, eingesunkene Flecken an allen Pflanzenteilen. In den Flecken sind schwarze Pünktchen, die Pyknidien, zu erkennen. Bei starkem Befall, wie örtlich 2016, kommt es zum Absterben ganzer Pflanzen.

> Bekämpfung: Gesundes Saatgut verwenden, Beizen bringt Teilerfolg. Ortiva rechtzeitig bei Befallsbeginn einsetzen und für gute Zersetzung der Ernterückstände sorgen. Weiten Abstand zu Feldern mit letztjährigem Befall einhalten.

Die Grauschimmelkrankheit (Botrytis cinera) bildet hellbraune Blattflecken mit Fäulnis meist ab der Blüte und einen weiß-grauen Pilzrasen. Vor allem Hülsenbefall bringt Ertragsverluste. B. cinera breitet sich bei feuchtwarmer Witterung mit Niederschlägen ab Mitte Mai stärker aus.

> Bekämpfung: Keine zu dichten Bestände fördern, günstig sind windoffene Lagen. Beizung wirkt nur teilweise, Fungizide sind derzeit nicht zugelassen.

Als weitere Krankheiten können in Futtererbsen Erbsenrost (Uromyces pisi), Weißstängeligkeit (Sklerotinia sclerotiorum), Falscher Mehltau (Perenospora pisi) und Echter Mehltau (Erysiphe pisi) auftreten. Sie sind aber meist unbedeutend und erreichen nur selten bei günstiger Witterung stärkeren Befall.

Blattkrankheiten an Ackerbohnen

Ackerbohne mit Schokoladenflecken © agrarfoto Bild vergrößern
Botrytis fabae, die sogenannte Schokoladenfleckenkrankheit, befällt die Ackerbohne. Wirksam ist ein Fungizidmix aus Ortiva und Folicur.

Die Schokoladenfleckenkrankheit (Botrytis fabae) ist eine der wichtigsten Pilzinfektionen in Ackerbohnen. Sie ist zu erkennen an kleinen, runden schokoladenbraunen Flecken mit meist hellem Innern etwa ab der Blüte. Die unregelmäßig auf den Blättern verteilten Flecken sind häufig durch einen roten Rand abgegrenzt, der sich später schwarz-gräulich verfärbt. Bei Starkbefall kann die gesamte Pflanze betroffen sein. Die Krankheit tritt häufig gemeinsam mit Rost auf und profitiert von feuchtwarmem Wetter und Niederschlägen ab Mitte Mai.

> Bekämpfung: Auch hier sind luftige Lagen hilfreich. Erntereste sollten untergepflügt werden. Bei Befallsbeginn mit einer Tankmischung aus 0,5 l/ha Ortiva + 0,5 l/ha Folicur behandeln.

Ackerbohnenrost (Uromyces viciae-fabae) fällt meist ab Ende der Blüte durch orange bis braune kleine Pusteln auf, die massenhaft auf Blättern und Stängeln zu finden sind. Starkbefall kann zum Vertrocknen und Abwerfen der Blätter führen. Der Pilz vermehrt sich bei warmer Witterung über 20 °C, hoher Sonneneinstrahlung und hoher Luftfeuchtigkeit (Tau).

> Bekämpfung: Früh und nicht zu dicht säen, tolerante Sorten anbauen und bei Befallsbeginn mit 1,0 l/ha Folicur behandeln, bei gleichzeitig auftretenden Schokoladenflecken als Mix von 0,5 l/ha Ortiva + 0,5 l/ha Folicur einsetzen.

Die Brennfleckenkrankheit (Ascochyta fabae) kann wie in Erbsen zu Problemen führen, vor allem wenn kein anerkanntes Z-Saatgut verwendet wird. Falscher Mehltau (Perenospora viciae-fabae) kann besonders bei kühlfeuchtem Wetter und Echter Mehltau (Erysiphe viciae-fabae) bei trockener Wärme auftreten. Sie sind aber meist unbedeutend, stärkerer Befall ist die Ausnahme.

Anthraknose bei Lupinen

Anthraknose an einer Lupine © Ruge-Wehling/JKI Bild vergrößern
Anthraknose führt bei Lupinen zu verdrehtem Wuchs, Welke und Absterben. Blaue Lupinen sind toleranter und werden daher bevorzugt angebaut.

Anthraknose (Colletotrichum lupini) ist die mit Abstand bedeutendste Krankheit der Lupinen. Massive Ertragseinbußen können drohen. Typisch sind Brennflecken auf Blättern und Stielen mit Verdrehungen bis hin zu Einschnürungen und dem Welken von Trieben und Pflanzen. Bei über 25 °C und längerer Blattnässe kann sich die Krankheit rasant ausbreiten.

> Bekämpfung: Zertifiziertes, befallsfreies und gebeiztes Saatgut ist ganz entscheidend. Die Sorten der Blauen Lupine besitzen die höchsten Toleranzen und werden daher bevorzugt angebaut. Daneben stehen mit Ortiva, Folicur und Switch drei Fungizide zur Verfügung. Sie können ab Befallsbeginn eingesetzt werden.

Andere Krankheiten wie Fusarium-Welke, Grauschimmel und Mehltau haben meist nur sporadisch Bedeutung. Zu den typischen Fruchtfolgekrankheiten etwa mit Raps zählen Sklerotinia und Rhizoctonia.

Sklerotinia in Sojabohnen

Sklerotinia (Sclerotinia sclerotiorum) spielt in einer Fruchtfolge mit anfälligen Kulturen wie Raps eine wichtige Rolle für den Sojaanbau. Typisch sind die vorzeitig vergilbenden und absterbenden Pflanzen mit weißen Verfärbungen des Stängels. Dort bilden sich anschließend Dauerfruchtkörper, die sogenannten Sklerotien. Besonders bei feuchtwarmer Sommerwitterung kann es zu starkem Befall kommen, wie örtlich 2016 in Süddeutschland.

> Bekämpfung: Es sind keine Fungizide zugelassen. Damit ist eine vier- bis sechsjährige Anbaupause das wichtigste Mittel.

Der Krankheitskomplex Diaporthe/Phomopsis gewinnt mit zunehmendem Sojaanbau an Bedeutung. Der Befall wird erst sehr spät durch vorzeitig abreifende Pflanzen sichtbar. Auf den Stängeln, Blättern und Hülsen sind massenhaft kleine schwarze Pünktchen (Pyknidien) zu finden. Über die Hülsen werden auch die Samen infiziert, eine wichtige Übertragungsquelle. Zudem überdauert der Pilz an Pflanzenresten.

> Bekämpfung: Da auch hier keine Fungizide zur Verfügung stehen, ist auf Feldhygiene und die Fruchtfolge zu achten und nur zertifiziertes Saatgut mit Beize zu verwenden.

Falscher Mehltau (Perenospora manshurica) kann ab der Blüte infizieren, wenn es feucht und kühl bleibt. Er ist an gelbbraunen Blattflecken zu erkennen und befällt auch die Hülsen. Der wichtigste Übertragungsweg ist infiziertes Saatgut.

> Bekämpfung: Arbeiten Sie Pflanzenrückstände gut ein und halten Sie Anbaupausen von mindestens vier Jahren ein.

 

Der vollständige Beitrag mit Fungizidempfehlungen ist im dlz agrarmagazin April 2017 erschienen.

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Mit Material von Michael Lenz, Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießen