Junglandwirt CeresAward 2016: Christian Bug - Der Beruf der Möglichkeiten

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Verantwortung zu über­nehmen ist für Christian Bug selbstverständlich: in der Familie, auf dem Betrieb und im Ehrenamt. Das ist nicht immer einfach, aber genau sein Ding.

Ceres 2016 Sieger Junglandwirt Christian Bug © Philipp Ledényi für CeresAward Bild vergrößern
Seinen Traumberuf Landwirt übt Christian Bug mit viel Motivation, Engagement und allzeit guter Laune aus.

Egal ob er als agrarpolitischer Sprecher der Hessischen Landjugend eine Rede vor den Spitzenpolitikern seines Bundeslands hält oder seinen Auszubildenden im Milchviehstall das richtige Anlegen der Melkbecher erklärt, die Leidenschaft für seinen Berufsstand spricht bei Christian Bug aus jedem Satz.

"Landwirt ist der Beruf der Möglichkeiten und war deswegen schon immer mein absoluter Traumberuf." Und den Gestaltungsspielraum, den ihm sein Milchviehbetrieb mit Biogasanlage gibt, nutzt der Sieger in der Kategorie Junglandwirt des Ceres­Awards 2016 auch voll aus.

Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb, den der Junglandwirt zusammen mit seinem Vater Matthias und seinem Onkel Josef als GbR führt, dreht sich alles um die Milch. 95 schwarzbunte Kühe und ihre Nachzucht stehen im Bug‘schen Stall im hessischen Petersberg-Böckels. Der Jahresdurchschnitt pro Kuh liegt bei rund 10.500 kg.

Der 29-Jährige hat ein lang gehegtes Ziel: "Mein zweites Lehrjahr habe ich auf dem Milchviehbetrieb der Familie Müller in Schwabendorf bei Marburg absolviert. Das waren und sind absolute Profis im Stall. Da habe ich Blut geleckt." Der Stalldurchschnitt der Müllers lag damals bei rund 10.000 kg pro Kuh und Jahr, während Bugs Kühe "nur" 8.900 kg lieferten. Der Ehrgeiz war geweckt.

Gesundheit vor Leistung

"Unter anderem durch die Umstellung auf Tiefboxen und eine intensivere Klauenpflege konnten wir die Milchleistung unserer Kühe seit meinem Einstieg 2010 auf 10.800 kg steigern. Die Lebensleistung liegt heute bei etwa 38.000 kg; damals waren es noch 19.000 kg."

Milchleistung will Christian Bug aber nicht um jeden Preis. "Was bringt es mir, wenn ich der einzelnen Kuh immer noch 1 kg mehr aus dem Euter kitzle, sie dafür aber nach wenigen Laktationen zusammenbricht?" Sein Hauptziel sind gesunde, langlebige Kühe. Die Leistung komme dann von selbst. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, plant Bug im Moment die Modernisierung des in die Jahre gekommenen Stalls. Mit einem neuen Melkzentrum soll das tägliche Melken schneller von der Hand gehen. Denn dafür brauchen die zwei Auszubildenden sowie Bug oder sein Vater derzeit noch jeweils 3 Stunden morgens und abends.

Darüber hinaus sollen neue Abkalbeboxen und Relax-Strohbereiche den Kuhkomfort weiter steigern. Gemäß seinem Motto "optimieren statt expandieren" soll die Herde im Rahmen des Umbaus aber nicht übermäßig wachsen. "Wachstum alleine ist kein Erfolgsmodell. Wenn durch den Umbau ein paar Stallplätze mehr in das Gebäude passen, bin ich natürlich nicht beleidigt, aber das ist nicht das Ziel."

Christian Bug versucht, auf seinem Betrieb einen möglichst geschlossenen Stoffkreislauf herzustellen. Grünland und Ackerflächen dienen ihm primär zur Futtererzeugung für seine Milchkühe. Was nicht auf dem Futtertisch landet, verwendet er als Substrat in seiner Biogasanlage – ebenso die Gülle und den Mist der Rinder. Die Gärreste landen anschließend wieder auf den Feldern und Wiesen.

Flexibel mit Biogas

Die Biogasanlage hat eine Bemessungsleistung von 220 kW. Motor und Gasspeicher sind aber auf mehr Leistung ausgelegt. Diese Reserven machen das System hochflexibel. "Die Flexibilität ist das Alleinstellungsmerkmal von Biogas. Da kann keine andere erneuerbare Energie mithalten", ist sich Christian Bug sicher. "Wir produzieren positive und negative Regelenergie und sind seit Februar 2014 für die Flexibilitätsprämie zugelassen. Die Auslastung der Anlage betrug in beiden vollständigen Jahren mehr als 96 Prozent", erklärt der Junglandwirt.

Der Motor läuft demnach nur tagsüber; das in der Nacht produzierte Gas wird gespeichert. Die Steuerung erfolgt über den Direktvermarkter, der Bugs Strom an der Leipziger Strombörse als Regelenergie verkauft. Zu Hochverbrauchszeiten lässt er den Motor in Petersberg-Melzendorf per Fernzugriff mit seinen vollen 400 kW Leistung laufen, in Niedrigverbrauchszeiten regelt er ihn wieder runter.

Das Substrat besteht größtenteils aus Mist und Gülle. Dazu kommen ungenutzte Grasschnitte und Silomais. "Die Anlage läuft allein mit dem, was der Hof und die Kühe übrig lassen. Wir haben dafür keine extra Flächen zugepachtet", erzählt Bug stolz.

 

Der vollständige Beitrag ist im dlz agrarmagazin März 2017 erschienen.

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