Düngung Daumenschrauben beim Düngen

Die geplante Novelle der Düngeverordnung bringt ernsthafte Schwierigkeiten für Ackerbauern wie Tierhalter. So gilt die Sperrzeit künftig ab Ernte der Hauptfrucht. Wir haben Betroffene befragt und nennen die wichtigsten Knackpunkte.

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Gülleablage in Streifen oder Einarbeiten ist heute schon Stand der Technik. Künftig wird das Pflicht und die Sperrzeit im Herbst vorgezogen.
Für Stickstoffdünger sind längere Sperrfristen vorgesehen: Das Bundeslandwirtschaftsministerium setzt in seinem Entwurf zur Novelle der Düngeverordnung auf mehr Verbote und neue Auflagen auch zur künftigen Güllelagerung. Gärrückstände sollen künftig auch mit dem pflanzlichen Anteil in die jährliche Obergrenze für Stickstoff von 170 kg/ha einbezogen werden (vgl. dlz 10/14, Seite 11). Und an die Ausbringtechnik sind höhere Anforderungen geplant.

Zu Redaktionsschluss war der Entwurf für die Verordnung, die frühestens im Frühjahr 2015 kommt, noch in der Ressortabstimmung. Vor allem das Umweltministerium hat aber bereits schärfere Vorschriften verhandelt. Auch die Haltung der grünen Länderminister war noch nicht klar. Wir beleuchten die Änderungen und lassen Betroffene zu Wort kommen.

Der Zeitplan bis 2015

Verabschiedet werden dürfte die neue Düngeverordnung frühestens kommendes Frühjahr. Die ersten Ressortabstimmungen fanden Ende September statt. Bundesumweltministerium und Bundesrat drängen mit der so genannten Anlagenverordnung auf neue Auflagen für Güllebehälter. In Kürze soll der Regierungsentwurf zur Stellungnahme an die Länder und anschließend an die Verbände verschickt werden.

Die EU-Kommission hat etwa drei Monate Zeit, den Entwurf zu notifizieren. Parallel findet eine strategische Umweltprüfung und die öffentliche Anhörung statt. Das Agrarressort geht davon aus, dass die zuständigen Ausschüsse des Bundesrates im Februar 2015 ihre Empfehlungen abgeben. Im März könnte die neue Düngeverordnung dann von der Länderkammer beschlossen werden.

Verlängerte Sperrfristen

  • Auf Ackerland soll das Verbot für Stickstoffdünger ab Ernte der Hauptfrucht bis 31.1. gelten. Bislang beginnt es am 1.11.
  • Vom Zeitraum zwischen Ernte bis 1.10. gibt es Ausnahmen: Wenn Getreide (verschärfend im Gespräch ist: nur Wintergerste) nach Getreide folgt oder wenn die Folgefrucht Raps, Zwischenfrucht oder Feldfutter und bis 15.9. gesät ist.
  • Auf Grünland und mehrjährigem Feldfutterbau sind N-Dünger vom 1.11. bis 31.1. tabu. Bislang beginnt die Frist 15.11. Ein Verschieben dieser Frist soll auf Länderebene um bis zu vier Wochen (bislang zwei) möglich sein.
  • Erstmals soll für Festmist eine Sperrfist gelten, und zwar vom 1.12. bis 31.1.

Mehr Lager nötig

  • Wie bisher sollen Gülleläger mindestens sechs Monate reichen. Neun Monate Lagerkapazität sollen ab 2020 für Betriebe gelten mit mehr als 3 GVE/ha LF oder ohne eigene Fläche.
  • Für Festmist oder feste Gärrückstände schreibt der Entwurf von 2018 an Läger für mindestens vier Monate vor.
  • Zur Änderung der Anlagenverodnung sind Leckage-Erkennungssysteme für Güllebehälter über 25 m3 im Gespräch.

Obergrenze 170 kg N

  • Der Überschuss an Stickstoff soll weiter gesenkt werden. Bei der Obergrenze von 170 kg/ha und Jahr für Gesamtstickstoff aus organischen Düngern soll es anscheinend bleiben.
  • Neu werden auch Gärrückstände und alle organischen Dünger einbezogen.
  • Der zulässige N-Überschuss soll im Schnitt der vergangenen drei Düngejahre bei 60 kg/ha und Jahr bleiben. Ab 2020: 50 kg/ha.
  • Auf Flächen mit hohen Phosphatwerten ist künftig kein P-Überschuss mehr erlaubt.

Hänge und gefrorene Böden

  • Präzisiert werden sollen die Auflagen auf überschwemmten, wassergesättigten, gefrorenen und schneebedeckten Böden.
  • N- und P-haltige Dünger auf gefrorenem Boden nur, wenn der durch Auftauen aufnahmefähig ist.
  • Verbot bei Gefahr von Abschwemmung.
  • Düngeverbot innerhalb von 4 m entlang von Gewässern, auch ohne Hangneigung; bei grenzgenauer Technik: 1 m.
  • über 10 Prozent Hangneigung: Düngeverbot auf 5 m. Auf 5 bis 20 m: direkt einarbeiten (unbestellt) oder bodennah bei ausreichender Bestandesentwicklung.

Neue Technik ab 2020

  • Mineraldüngerstreuer sollen ab 2020 eine Grenzstreueinrichtung haben.
  • Ab 2020 muss Gülle laut Entwurf streifenförmig abgelegt oder in den Boden eingearbeitet werden.
  • Für Grünland und mehrschnittiges Feldgras soll das ab dem 2025 gelten.
  • Auf unbewachsenem Acker ist weiter Breitverteilung bei sofortigem Einarbeiten zulässig.
  • Verboten werden Geräte, die nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen: Miststreuer ohne Zufuhr zum Verteiler, Gülle- und Jauchewagen mit freiem Auslauf auf den Verteiler, zentrale Prallverteiler, mit denen nach oben abgestrahlt wird, Güllewagen mit senkrechten, offenen Schleuderscheiben, Drehstahlregner zur Verregnung. Das ist übernommen aus der bestehenden Düngeverordnung (Anhang 4). Alle Geräte, die vor dem 14.1.2006 in Betrieb genommen wurden, sind schon jetzt nicht mehr zugelassen.
  • Geräte, die bis 14.1.2006 in Betrieb genommen wurden, sollen noch bis 31.12.2015 benutzt werden dürfen.

Derogation: Gülle exportieren

  • Die bisherige Derogationsregel (230 kg N/ha und Jahr Gülle) auf Grünland wird zunächst nicht verlängert. Sie soll aber in Brüssel neu beantragt werden.
  • Mögliche Folge: rund 1.500 Betriebe, die 2013 über eine Ausnahmegenehmigung verfügten, müssen bis zu 0,66 Mio m3 Gülle "exportieren": Die zusätzliche Transportentfernung schätzt das BMEL auf durchschnittlich 10 km.

Düngeplanung und Nährstoffvergleich

  • Die Düngebedarfsermittlung für N und P soll konkretisert werden, mit N-Bedarfswerten und Ertragsniveaus für Acker- und Gemüsekulturen.
  • Analog ist künftig auch für Grünland und mehrschnittigem Feldfutterbau der N-Bedarf nach Vorgaben zu ermitteln.
  • Wie bisher muss bis 31.3. ein betrieblicher Nährstoffvergleich für N und P vorliegen.
  • Im Gespräch ist die Hoftorbilanz für Betriebe über 3 GVE/ha ab 2018.
  • Genauerer Nährstoffvergleich: Beispielsweise soll die Nährstoffabfuhr von Grundfutterflächen über die Nährstoffaufnahme der Tiere aus dem Grundfutter berechnet werden müssen. So sollen innerbetriebliche Stoffströme genauer abgebildet werden. ks/kb

Der vollständige Beitrag ist im dlz agrarmagazin November 2014 erschienen. Dort können Sie nachlesen, wie Praktiker aus Nord-, Mittel- und Süddeutschland über die neuen Verordnungen urteilen.