dlz-Interview Experteninterview Mähdrusch

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Mähdrescher von John Deere © Thomas Göggerle/dlz agrarmagazin Bild vergrößern
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Der Niederländer Nico Huizing schult Mähdrescherfahrer auf der ganzen Welt. Wir haben mit ihm gesprochen, was die größten Fehler in der Ernte sind und wie man sie abstellt.

Wie gut sind die Mähdrescher in Europa  eingestellt?
Huizing: Eine allgemeine Aussage zu treffen, ist schwierig. Manche Mähdrescher sind perfekt eingestellt, manche katastrophal. Ich denke, die meisten sind passabel eingestellt. Wie gut ein Mähdrescher arbeitet, hängt viel vom Fahrer und seinen Erfahrungen ab. Außerdem spielt es eine Rolle, welche Ziele ich habe. Soll die Maschine so viel Fläche wie möglich schaffen oder ist die Drusch­qualität am wichtigsten? Da gibt es Unterschiede zwischen den Zielen von Lohnunternehmern und Landwirten.

Welchen Einfluss hat der Fahrer auf das Dreschergebnis und welchen Einfluss die Maschine?
Huizing: Alles beginnt bereits mit der Wartung vor Beginn der Ernte. Sind alle Verschleißteile ausgetauscht? Stimmen die angezeigten Werte auf dem Monitor mit der Einstellungsposition an der Maschine überein? Der Fahrer hat auf alles Einfluss und muss verstehen, wie ein Mähdrescher arbeitet. Das bedeutet, er muss wissen, was sich verändert, wenn er an einer Stellschraube dreht.

Was sind die größten Fehler, die Mähdrescherfahrer während der Ernte machen?
Huizing: Wir müssen zwischen Schüttlermaschinen und Rotormaschinen unterscheiden. Mähdrescher mit einem Rotor müssen gut mit Erntegut gefüttert werden, um gute Arbeit zu leisten. Wir sehen häufig den Fehler, dass Fahrer die Geschwindigkeit reduzieren, um die Kornverluste zu verringern, oder dass sie den Korbabstand zum Rotor verringern, was nur zu noch schlechteren Ergebnissen führt.

Bei Schüttlermähdreschern ist es wichtig, erst einmal auf das Schneidwerk zu schauen. Es muss den Mähdrescher gleichmäßig beschicken. Das beginnt bei der richtigen Einstellung des Freiraums der Einzugsschnecke und den richtigen Schneckenflügeln, die für eine gleichmäßige Belastung sorgen.

Außerdem treffen wir häufig falsch kalibrierte Anzeigen an. Der Monitor in der Kabine zeigt eine Position an, die nicht realistisch ist. Wenn das Terminal anzeigt, dass der Korb­abstand auf 0 steht, dann sollte er auch wirklich auf 0 stehen. Überprüfen Sie das, bevor Sie in die Saison starten. Viele Fahrer trauen sich nicht, den Wind der Turbinen auszunutzen. Sie fürchten, dass sie das Erntegut auspusten. In Wirklichkeit ist der Wind im Mähdrescher sehr wichtig für die Kapazität der Reinigung. Mein Tipp: Haben Sie keine Angst, den Wind zu verstärken und dann die Verluste zu messen. So wissen Sie, was Sie tun.

Beachten Sie diese vier Punkte

Nico Huizing © Nico Huizing Bild vergrößern
Nico Huzing ist weltweit als Berater unterwegs und schult Fahrer von Landmaschinen.

Wo liegen die größten Verbesserungsmöglichkeiten?
Huizing: Um Mähdrescher zu optimieren, sollten Sie immer vier Bereiche betrachten: Alles, was in der Überkehr ist, sagt sehr viel über die Reinigung und das Dreschen aus. Die Strohqualität nach dem Dreschen ist ein Maß dafür, ob Sie das Erntegut überdreschen oder zu wenig behandeln. Messen Sie die Verluste hinter der Maschine. Setzen Sie sich ein Limit für die Verluste, die für Sie noch akzeptabel sind. Messen Sie mit einer Prüfschale, um korrekte Verlustwerte zu bekommen. Schauen Sie in den Korntank und halten Sie Ausschau nach Bruchkorn. Passen Sie den Dreschvorgang darauf an.

Das Wichtigste am Einstellen ist, dass Sie an einer Stellschraube nach der anderen drehen und nach jeder Änderung das Ergebnis prüfen. Nehmen Sie sich Zeit und gehen Sie Schritt für Schritt vor.

Inwieweit können elektronische Assistenzsysteme auf den Maschinen helfen, die Einstellung zu vereinfachen?
Huizing:
Ich denke, Assistenzsysteme sind ein gutes Werkzeug, um auf die wechselnden Erntebedingungen auf dem Feld und das wechselnde Wetter während des Tags zu reagieren. Das Grundwissen muss weiterhin von jemandem kommen, der weiß, was er tut.

Haben Mähdrescher in den unterschied­lichen Regionen dieselben Probleme?
Huizing: Grundsätzlich ja, aber die Variation der Bediener macht den Unterschied. Das ist der Grund, warum wir Schulungen für Mähdrescherfahrer anbieten, um sie kurz vor der Saison weiterzubilden.

Wo würden Sie am liebsten Mähdrescher fahren und warum?
Huizing: Ich habe in Texas (USA) ­gearbeitet, wo wir 16 t/ha Mais geerntet haben. Mähdrescher schaffen dort einen Durchsatz von 80 bis 90 t/h. Dann wird es umso mehr eine logistische ­Herausforderung, was ich dann auch ­wirklich genießen konnte. Zwischen den Teams mit Überladewagen, den Trucks und Mähdreschern, das ist echte Team­arbeit.