Düngung Fluch und Segen zugleich

Ohne mineralische Stickstoffdünger wären die hohen Ertäge von Nutzpflanzen weltweit nicht möglich. Allerdings ist der Wachstumsförderer auch für Nitrat im Grundwasser, Feinstaubeintrag, Artenrückgang oder Treibhausgase mitverantwortlich. Wir fassen zusammen, wo der Hase im Pfeffer liegt.

Bild auf Agrarheute.com © Foto: agrar-press Bild vergrößern
Mineralischer Pflanzendünger und sauberes Trinkwasser: „Aufpassen, dass uns Beides erhalten bleibt“.
Stickstoff (N) ist einer der Hauptbestandteile von Luft: N2 macht 78 Prozent der Luft aus, die wir atmen. Verschiedene Typen reaktiver Stickstoffverbindungen in der Luft sind Stickstoffmonoxid (NO), Stickstoffdioxid (NO2), Ammoniak (NH3) und Lachgas (N2O).

Sie gab es schon immer. Seit der weitverbreiteten Verwendung von Mineraldünger nach der Erfindung des Haber-Bosch-Verfahrens 1913 haben diese Verbindungen aber dramatisch zugenommen.

Gegen 1900 gab es eine massive Verknappung an reaktivem Stickstoff in Form von Düngern. Im Mittelpunkt der damaligen Diskussionen stand die Notwendigkeit, Luftstickstoff für die Düngerproduktion zu binden, um dadurch Nahrungsmittelknappheit und Hunger zu mindern. Die Hälfte der heutigen Weltbevölkerung hätte nach aktuellen Standards nicht ernährt werden können, wäre es nicht gelungen, Mineraldünger in industriellem Maßstab herzustellen. Heute stammen rund 50 Prozent des reaktiven Stickstoffs, der in der Umwelt zirkuliert, aus dem Haber-Bosch-Verfahren.

Risiken für Vielfalt und Klima

Reaktive N-Verbindungen sind jedoch nicht nur ein Segen. Sie haben auch deutlich negative Auswirkungen auf die Umwelt, die Biodiversität und die menschliche Gesundheit. Das European Nitrogen Assessment (ENA) hat 2011 eine Berechnung veröffentlicht, wonach die Kosten eines N-Überschusses in der Umwelt auf 70 bis 320 Mrd. Euro pro Jahr geschätzt werden.

Ein Überschuss an reaktivem Stickstoff bedroht die Qualität von Boden, Wasser und Luft. Er verändert die Zusammensetzung der Treibhausgase, erhöht den Lachgasanteil in der Atmosphäre und verursacht die Auswaschung von Nitrat ins Grundwasser. Er beeinflusst Ökosysteme, besonders aquatische, indem er Algenblüten verursacht und dadurch indirekt die Sauerstoffversorgung für andere Organismen, etwa Fische, vermindert. Das wirkt sich stark auf die Artenvielfalt aus. In 80 Prozent des Süßwassers in Europa wird ein kritischer Schwellenwert von 1,5 mg N/l überschritten. Das bringt ein hohes Risiko für die Biodiversität mit sich. kb

 
Der vollständige Beitrag ist im dlz agrarmagazin November 2015 erschienen.