Herriedener Erklärung: Kastration unter Betäubung weiter zulassen

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Praktikabel, marktkonform und kostengünstig – so wünschen sich betroffene Schweinehalter die Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration.

Gruppenfoto der Referenten und Veranstalter der Tagung in Herrieden © Martina Hungerkamp/dlz agrarmagazin Bild vergrößern
Auf der Tagung in Herrieden diskutierten Vertreter der gesamten Wertschöpfungskette über die unterschiedlichen Alternativen zum Ausstieg aus der betäubungslosen Kastration der Ferkel. Alle favorisierten den sogenannten vierten Weg.

In Bayern herrscht in Bezug auf den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration weitestgehend Konsens: Der so genannte vierte Weg, also die chirurgische Kastration unter örtlicher Betäubung bei gleichzeitiger Schmerzmittelgabe sei für Süddeutschland die beste Lösung und müsse weiter vorangetrieben werden.

So lässt sich das Ergebnis der Tagung der Ringgemeinschaft Bayern und der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VZEG) in Herrieden zusammenfassen. Die anwesenden Landwirte, Tierärzte sowie Vertreter von Beratungsorganisationen, Erzeugerringen und der drei wichtigsten Schlachtunternehmen im süddeutschen Raum (Ulmer, Tönnies, Vion) waren sich einig: Um einen erheblichen Strukturwandel in Bayern sowie Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, muss eine tragfähige Zukunftsperspektive für die Schweinehaltung gefunden werden – gerade auch für die vielen kleineren und mittleren Betriebe. In Hinblick auf die Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration fehlen bislang praxis- und marktreife Methoden. Alle Verfahren seien derzeit noch mit Nachteilen behaftet.

Kastration durch den Landwirt

Deshalb müsse man zum einen die Möglichkeit der Kastration unter örtlicher Schmerzausschaltung durch den Landwirt als vierten Weg vorantreiben und erforschen. Aber es sei wichtig, allen Verfahren gegenüber offen zu bleiben. Die unterschiedlichen Optionen dürften nicht gegeneinander ausgespielt oder einzelne möglicherweise sogar schlecht geredet werden.

Mittelfristiges Ziel sollte die Zulassung der Kastration mit lokaler Betäubung unter Schmerzmittelgabe sein. Dies sei juristisch jetzt schon durch den Tierarzt möglich. Das Lokalanästhetikum Procain ist für Schweine zugelassen. Hoffnung ruht auf dem noch wirksameren Lidocain, das derzeit allerdings nur für nicht lebensmittelliefernde Tiere verwendet werden darf. In diese Richtung müsse weiter geforscht werden. Unter den derzeitigen Vorzeichen wird dieser Weg vor allem für Süddeutschland von allen Beteiligten als bester Weg favorisiert. Langfristig sei es wünschenswert, die chirurgische Kastration zu vermeiden. Dazu könnte beispielsweise eine erfolgreiche Zucht auf Spätreife beitragen.

Am Ende waren sich alle einig, dass mit einer Herriedener Erklärung bei der Bundesregierung auf ihre Lage aufmerksam gemacht werden soll. Sie fordern ein, dass die Bundesregierung die Entwicklung und Forschung des vierten Weges ebenfalls unterstützt.