Ferkelkastration Kastrieren unter Betäubung ist sehr zeitaufwändig

Bild auf Agrarheute.com © agrarfoto.com Bild vergrößern
von , am

Eine Masterarbeit hat in den letzten Monaten die Kastration unter Injektionsnarkose mit der betäubungslosen Kastration verglichen. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Ferkelbetäubung © agrarfoto Bild vergrößern
Die Kastration unter Betäubung ist sehr zeitaufwändig.Neben Ebermast und Immunokastration benötigen Landwirte noch einen weitere Möglichkeit wie lokale Betäubung.

Das Ergebnis der Masterarbeit gleich vornweg: Die Injektionsnarkose ist eine Möglichkeit, ab 2019 weiter zu kastrieren. Es geht nicht ohne den Tierarzt, daher muss der Ablauf gut organisiert sein, damit sich die Kosten im Rahmen halten. Außerdem erfordert diese Variante einen hohen Betreuungsaufwand bei den Ferkeln während der Nachschlafphase, berichtet die ISN.

Trotzdem muss nach einer weiteren Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration (z.B. einer lokalen Betäubung) gesucht werden, damit die Landwirte ab 2019 betriebsindividuell entscheiden können, welchen Weg sie wählen.

Die Kastration unter Injektionsnarkose stellt einen zusätzlichen Arbeitsgang in der Abferkelwoche dar, zudem muss der Tierarzt die Narkose einleiten. Der Landwirt kann anschließend kastrieren. Die Kosten für das Verfahren sind stark abhängig von der Arbeitszeit. Angenommen wird mindestens 1 € pro männliches Ferkel. Darin enthalten sind Kosten für die Narkosemittel sowie die Arbeitszeit.

Betäubte Ferkel haben große Temperaturschwankungen

Laura Schönberg, Studierende an der Universität Bonn (Institut für Tierwissenschaften) hatte mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer NRW, dem Schweinegesundheitsdienst NRW und der ISN-Projekt GmbH auf Haus Düsse die Untersuchung durchgeführt.

Im Versuch sind 136 Ferkel unter Narkose und eine Kontrollgruppe von 139 Ferkeln ohne Narkose kastriert worden. Um die Ferkel in Narkose zu legen, wurde ihnen tierindividuell ein Gemisch aus 2 mg Ketamin und 25 mg Azaperon je kg Körpergewicht injiziert. Gleichzeitig erhielten sie Meloxicam.

Die Ferkel wurden im Alter von 4 bis 7 Tagen kastriert und anschließend von der Sau separiert, um sie vor dem Erdrücken zu schützen. Obgleich die ersten Ferkel schon 20 Minuten nach der Narkoseeinleitung nicht mehr schliefen, dauerte es zwischen eineinhalb und sechseinhalb Stunden ehe sie sicher stehen konnten und vollständig mobil waren. Erst dann konnten die Ferkel wieder zur Sau gesetzt werden. Dadurch verpassten die männlichen Ferkel 4-5 Saugakte.

Die Körpertemperaturen variierten zwischen 33,6 und 41,1°C, so dass davon auszugehen ist, dass während der Nachschlafphase nicht nur eine Unterkühlung der Tiere auftreten kann, sondern auch eine Überhitzung.