Klargelegt Neue Planwirtschaft

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Zu den prägenden Umwelterfahrungen älterer Menschen gehört die gegenüber früher bessere Luft in den Städten und die saubereren Flüsse.

Grafik zu den Stickstoffeinträgen © Georg Keckl Bild vergrößern

Von der EU bekommen fast alle deutschen Badegewässer jährlich Bestnoten. Fischarten sind wieder zurück, die durch frühere Schmutzfrachten verschwanden. Die Emission von Stickoxiden in die Luft und Stickstoff (N) in die Gewässer haben sich beispielsweise seit 25 Jahren halbiert. Oft wird der gegenteilige Eindruck erweckt: Um schlechte Werte zu bekommen, misst man den Stickstoff im Grundwasser in einem „Belastungsmessnetz“ und verallgemeinert die Werte. Die Luftqualität wird auffallend oft in der verkehrsreichsten, engsten Straßenschlucht der Stadt gemessen. Um über Planverfehlung klagen zu können, wurden die Umwelt-Zielvorgaben ständig verschärft, bis zur Maximalforderung „anthropogen unbeeinflusst“ (wie ohne Menschen). Viele „Grenzwerte“ wurden stillschweigend gänzlich umfunktioniert zu Planzielen für den Ökoumbau der Gesellschaft.

Die hohen Erträge der Landwirtschaft beruhen stark auf der N-Düngung. So wird heute die Hälfte der Menschheit ernährt, was Eiferer als Übernutzung des Planeten medienwirksam anprangern. N-Mangel ist das Kernproblem der Biolandwirtschaft. Glaubt man an eine Weltrettung durch eine andere Landwirtschaft, ist eine Behinderung der N-Düngung durch eine, oft nicht ganz uneigennützige, übertriebene Darstellung der Gefahren zielführend. Sicher kommt es beispielsweise bei der N-Düngung von Wiesen zu einer Reduktion der Arten, aber die mehrfach höheren Erträge ermöglichen erst Schutzflächen. Nährstoffarme Gewässer enthalten weniger Tiere aller Arten.

Keine Berufsgruppe ist höheren Stickstoffemissionen ausgesetzt als Landwirte in ihren Ställen, trotzdem sterben sie nicht früher. Die Dosis macht‘s. Die moderne Landwirtschaft erzeugt global so viele Lebensmittel, dass die einträglichen Angstpredigten vor einer Hungersnot durch „Überbevölkerung“ von einer „ökologischen Überbeanspruchung des Planeten“ abgelöst werden mussten. Das Umweltideal „anthropogen unbeeinflusst“ ignoriert 7 Mrd. Menschen, die bei neuen Stoffgleichgewichten gut, umweltverträglich und sicher leben können.

Dieses "Klargelegt" ist im dlz agrarmagazin Oktober 2016 erschienen.

Weitere Informationen zum Thema

Bestnoten für deutsche Gewässer: http://www.eea.europa.eu/themes/water/interactive/bathing/state-of-bathing-waters

Pressestimmen dazu: http://www.spiegel.de/reise/aktuell/badegewaesser-in-europa-eu-gibt-deutschland-bestnoten-a-1094090.html und http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/eu-bericht-bestnoten-fuer-deutsche-badegewaesser-12960772.html

Deutsche Flüsse sind wieder sauber geworden, sensible Fische kehren zurück: http://www.planet-wissen.de/natur/umwelt/umweltverschmutzung/index.html und http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/studie-im-rhein-tummeln-sich-wieder-lachse-171569.html und http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-17217858.html und http://www.eco-world.de/scripts/basics/econews/basics.prg?a_no=9468&main=drucken

Umweltbundesamt: Reduzierung der Stickoxid-Emissionen in die Luft seit 1990 um 58%: https://www.umweltbundesamt.de/daten/luftbelastung/luftschadstoff-emissionen-in-deutschland/stickstoffoxid-emissionen 

Reduzierung der Stickstoffeinträge in die Gewässer seit 1983/87 um 44%: https://www.umweltbundesamt.de/daten/gewaesserbelastung/fliessgewaesser/eintraege-von-naehr-schadstoffen-in-die

Falschdarstellung der Situation in Deutschland durch die EU: https://www.agrarheute.com/dlz/news/eu-nitratluege

Drehbares Panoramabild der Hannoverschen Messstation in der Straßenschlucht mit der vermutlich schmutzigsten Luft in ganz Hannover: http://www.luen-ni.de/Downloads/panorama/HRVS/start.html

"Grenzwerte" für die allgemeine Luftbelastung (besonders für Städte): https://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe/stickstoffoxide 

http://keckl.de/texte/Umweltbundesamt%20manipuliert%20ZDF%20beim%20Nitrat.pdf und https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/leitbildorientierte-physikalisch-chemische und https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/fluesse/ueberwachung-bewertung/chemisch und https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1968/dokumente/chemische_guteklassifikation.pdf

Fast die Hälfte der Weltbevölkerung wird heute durch die Hilfe künstlich erzeugter Stickstoffdünger ernährt: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/4058.pdf

"Übernutzung des Planten": Berichterstattung über den „Earth Overshoot Day“ am 08.08.2016 z.B. in den ZDF-Nachrichten („heute“, gesprochen von Petra Gerster, Sendeminute 10:46): ZITAT „Die Weltbevölkerung lebt ab heute auf Pump. Mit dem 8. August haben wir weltweit alles gerodet, gegessen und verschmutzt, was auf der Erde innerhalb eines Jahres nachwächst“ ZITAT ENDE http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2806176/ZDF-heute-Sendung-vom-08.-August-2016#/beitrag/video/2806176/ZDF-heute-Sendung-vom-08.-August-2016 und   https://www.tagesschau.de/ausland/weltueberlastungstag-101.html und   https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/earth_overshoot_day_1762.htm und https://www.umweltbundesamt.de/themen/earth-overshoot-day-2016-ressourcenbudget 

Stickstoff - Gefahren für die Umwelt: https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/umweltbelastungen-der-landwirtschaft/stickstoff

Weniger Leben im Bodensee: http://www.zeit.de/2014/30/umweltschutz-bodensee-fischer

Niedersächsische Lungenstudie (NiLS - http://www.ms.niedersachsen.de/download/9242 ), bei der die Lungengesundheit von Menschen in Ställen und deren Nachbarn mit der Allgemeinbevölkerung verglichen wurde: ZITAT "Die relative Häufigkeit von Atemwegssymptomen und -erkrankungen sowie die Ergebnisse der Lungenfunktionsuntersuchungen waren für die Teilnehmer der NiLS-Studie vergleichbar mit den Ergebnissen des European Community Respiratory Health Survey, der 1991/92 bei einer populationsbezogenen Stichprobe der Hamburger Bevölkerung durchgeführt wurde. Die Prävalenz allergischer Erkrankungen lag für das Gesamtkollektiv unter der Prävalenz in der städtischen Bevölkerung." ZITAT ENDE Die Landwirte in den Ställen hatten gar weniger Beschwerden mit dem Atmungstakt als ihre Nachbarn.

dlz 12/2011: Träume ernähren keine 10 Milliarden: https://www.agrarheute.com/dlz/news/traeume-ernaehren-keine-10-milliarden

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