Gesellschaft Zukunft heißt social farming

Auf einem guten Weg, befinde sich die Initiative Lernort Bauernhof, meint der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof e.V. Hans-Joachim Meier zum Felde am Ende der diesjährigen Bundestagung in Altenkirchen im Westerwald. Für die Zukunft werde der pädagogische Bereich weiter durch soziale Formen, wie dem Fürsorgebauernhof erweitert werden. Social farming bezieht sozial schwache Bevölkerungsgruppen, ältere Menschen, Kranke, ehemalige Drogenabhängige und Strafgefangene mit. In Frankreich arbeiten auf diesem Bereich schon große Initiativen, zum Beispiel Les fermes pedagogiques en France. Der Bedarf wächst auch in Deutschland.

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Olaf Keser-Wagner, Unternehmensberater des Erfahrensfeld-Bauernhof e.V. rät zur kompromisslosen Führung.
Diese verstärkte soziale Komponente mache den Einsatz öffentlicher Förderungen in Zukunft einfacher, erklärt Michael Kügler vom EU-Verbindungsbüro der Landwirtschaftskammern in Brüssel. Das bedarf einer noch stärkeren Netzwerkbindung und noch mehr Kooperationen. Leider seien mögliche Förderungen auf EU-Basis bis 2013 vergeben. Aber die Budgetdebatte für die Zeit danach habe schon begonnen und mit dem richtigen Einsatz könnten Fördermittel wahrscheinlicher werden. Bis dahin empfiehlt er auf Programme ländlicher Gebiete auf Länderebene und die Anspruchnahme von Stifungen und privater Initiativen. 

Etwa 200 Landwirte und Landwirtinnen, die mit ihren Bauernhöfen Kindern die bäuerliche Welt näher bringen wollen, versammelten sich im Westerwald zu einem Informations- und Erfahrungsaustausch. Für fast alle bedeutet das Engagement für die Bildung auch ein nicht unerhebliches Zusatzeinkommen. Fragen der Einkünftezuordnung, Geschäftsform und Regelung der Umsatzsteuer beantwortete Rechtsanwalt und Steuerberater Ralf Stephany.  Die steuerlichen Fragen sind schon bei der Konzeptentwicklung zu klären.

Die Entstehung des Lernort Bauernhof auf den Betrieben hat so scheint es, immer seine eigene Geschichte. Bei zwei Beispielen spielte Fortbildung der Bäuerin eine große Rolle, Susanne Uhrbroock, Wörth besuchte Aufbauseminare im Rahmen Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und für Annette Aller ist Lernort Bauernhof eine Vision, die sie im Rahmen der BUS Schulungen entwickelte und verwirklichte. Für beide Bäuerinnen war die Begeisterung der Familie für die Ideem und ihre Integration in den laufenden landwirtschaftlichen Betrieb eine von vielen Herausforderungen.

Von einer ganz anderen Gründererfahrung berichtete Kerstin Blum. Sie hat mit ihrem Mann neben einem Bioladen den Nebenerwerbsbetrieb wieder in Gang gebracht, der sich zum Fürsorgebauernhof entwickelte. Dort leben lernbeeinträchtigte Kinder oder Jugendliche über einen längeren Zeitraum. Dazu der Tipp von Kerstin Blum: sich auf jeden Fall coachen lassen. „Nur wenn jemand von außen einen Blick auf das Konzept wirft, kann es funktionieren.“

Von ‚Führen oder geführt werden‘ sind alle betroffen: Bauer, Bäuerin und Schul- oder Kindergartenkinder mit ihrer Begleitung. „Führen heißt, Entscheidungen zu treffen, egal wen ich führe,“ erläutert Olaf Keser-Wagner, Unternehmensberater des Erfahrensfeld-Bauernhof e.V. und rät eindeutig auf diese Aufgabe hinzuweisen. Das erleichtere den Kindern die Zuordnung und dem Landwirt den Umgang mit begleitenden Eltern oder Lehrern. Wenn Kinder fragen sei nicht immer klar, ob der Auslöser wirkliches Interesse oder nur kurzfristige Begeisterung ist. Hier schlägt der Berater eine Gegenfrage zur Klärung vor. Antworten auf die Frage ‚Warum willst Du das wissen?’ ergeben  weiterführende Fragen und ausführliche Erklärungen. Aber nur so weit, wie das Interesse wirklich reicht. „Kinder sind oft mit anderen Antworten zufrieden als wir Erwachsene denken“, so Keser-Wagner. Darüber hinaus ermutigt er dazu nicht alle Fragen beantworten zu wollen. Das schaffe nachhaltiges Interesse.

Mehr dazu unter: www.baglob.de