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NRW legt Nährstoffbericht vor

von , am
19.11.2014

Erstmals hat das Land Nordrhein-Westfalen einen Nährstoff- und Nitratbericht zur Qualität des Grundwassers vorgelegt. Für Landwirtschaftsminister Johannes Remmel steht fest, dass die in weiten Landesteilen gemessenen erhöhten Nährstoffwerte mit der Tierhaltung, Biogasanlagen und dem Gemüseanbau zusammenhängen.

© landpixel
Im Gespräch mit Agrarjournalisten sagte Remmel gestern Abend in Düsseldorf, der Bericht sei ein Auftrag zum Handeln. Nordrhein-Westfalen werde in der neuen Förderperiode die Anschaffung von Geräten für die bodennahe Gülleausbringung unterstützen. Die Ergebnisse der Wasserkooperationen bezeichnete Remmel als teilweise nicht ausreichend. Das Land setzt darauf, dass die Bundesregierung nach mehrfacher Verzögerung nun bald ihren Entwurf für eine neue Düngeverordnung vorlegt. Bis diese in Kraft tritt, wird es nach Einschätzung von Remmel allerdings mindestens Herbst 2015.

Düngeauflagen regionalisieren

Aus dem NRW-Nährstoffbericht geht hervor, dass die Nitratkonzentration in den intensiven Veredlungsregionen im Norden und Westen des Landes seit über 20 Jahren gleichbleibend hoch oder steigend ist. Rund 40 Prozent des Grundwasserkörpers liegt über dem erlaubten Trinkwasser-Grenzwert von 50 mg Nitrat. Besonders hoch ist der Nährstoffanfall in einigen Kreisen im Münsterland und am Niederrhein. Insgesamt müssten die Stickstoffeinträge nach Berechnungen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) um rund 27.300 t pro Jahr reduziert werden. Das entspricht fast 20 Prozent der ausgebrachten Stickstoffmenge aus Gülle oder Festmist beziehungsweise 7 Prozent des Gesamtstickstoffs aus allen Eintragspfaden einschließlich Mineraldünger.
 
Remmel will vom Bund die Ermächtigung, in Gebieten mit belastetem Grundwasser strengere Düngeanforderungen als in den übrigen Gebieten festlegen zu dürfen. Bisher unterscheidet die Düngeverordnung nicht zwischen belasteten und unbelasteten Gebieten. Der NRW-Nährstoffbericht fußt auf der 2013 eingeführten Wirtschaftsdünger-Datenbank des Landes. Darin werden alle verbrachten Mengen organischer Dünger erfasst. Künftig soll der Bericht jährlich aktualisiert werden.

Bauernverbände sehen Handlungsbedarf

In einer ersten Reaktion auf den Nährstoff- und Nitratbericht betonten der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) und der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV): "Sicherlich müssen wir die Düngung weiterentwickeln und verbessern, aber wir haben in den letzten Jahren schon viele Anstrengungen für den Gewässerschutz unternommen." Aus dem NRW-Nährstoffbericht werde deutlich, dass die Landwirte in NRW durch Verbringung von Wirtschaftsdünger und eine gezielte Düngung den gesetzlichen Auflagen und Anforderungen gerecht würden.
 
Angesichts der Ergebnisse des Nitratberichts sehen die Verbände allerdings auch Handlungsbedarf. "Wir müssen den Nährstoffkreislauf nach Möglichkeit über die Regionen NRWs schließen", so WLV und RLV, "nur so werden wir dem Gewässerschutz wirklich gerecht." So ist es aus Sicht der Verbände notwendig, das Prinzip der Kooperation im Gewässerschutz weiterzuentwickeln. WLV und RLV schlagen unter anderem vor, die bodennahe Wirtschaftsdüngerausbringung zu fördern, in Ackerbauregionen Güllelager zu bauen und Importe von Wirtschaftsdünger aus den Niederlanden einer Genehmigungspflicht zu unterwerfen.
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