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Österreich: Eierpionier größtenteils schuldig

von , am
03.07.2015

Seit Mitte Juni standen Toni Hubmann, Chef von Toni’s Freilandeier, und mehrere seiner Mitarbeiter vor Gericht. Der Vorwurf lautete auf Betrug, denn das steirische Unternehmen, dessen Eier auch im gehobenen deutschen Lebensmitteleinzelhandel erhältlich sind, soll 2009 bis 2011 bei den Mindesthaltbarkeitsdaten getrickst haben.

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Seit Mitte Juni standen Toni Hubmann, Chef von Toni's Freilandeier, und mehrere seiner Mitarbeiter vor Gericht. Der Vorwurf lautete auf Betrug, denn das steirische Unternehmen, dessen Eier auch im gehobenen deutschen Lebensmitteleinzelhandel erhältlich sind, soll 2009 bis 2011 bei den Mindesthaltbarkeitsdaten getrickst haben. Gestern Nachmittag fasste der Schöffensenat (eine Berufsrichterin, zwei Schöffen) am Landesgericht Leoben allesamt Schuldsprüche und sprach bedingte Haftstrafen aus: [[mehr]]

Anton Hubmann wurde zu 22 Monaten wegen gewerbsmäßigen Betrug, zwei seiner leitenden Mitarbeiter jeweils zu 14 Monaten sowie der Viertangeklagte Ex-Produktionsleiter zu 14 Monaten wegen schweren Betrugs verurteilt.

Unternehmen sah reine Racheaktion

Diese Straftatbestände wurden ursprünglich von ehemaligen Mitarbeitern 2011 in Umlauf gebracht und mithilfe der Kommunistischen Partei angezeigt. Monatelang ermittelte hernach die Staatsanwaltschaft. Rund 797.000 manipulierte Eier mit einem Schaden von 129.000 Euro wurden letztlich in der mehr als zehnseitigen Anklageschrift angeführt.

Freilandeier-Pionier Hubmann bezeichnete die Vorhaltungen stets als "völligen Blödsinn". Vielmehr vermutete er eine Racheaktion. Der Produktionsleiter musste krankheitsbedingt in Frühpension gehen, der zweite Vernaderer habe zudem zwischenzeitlich politische Karriere gemacht, brachte Hubmanns Verteidiger vor. Die Vorwürfe seien aus alten internen Schmierzettel konstruiert worden.

Umfangreiches Gerichtsverfahren

Die mehr als 40 Tathandlungen wurden an sieben Gerichtstagen ausführlich erörtert. Die von Hubmann dem Gericht dabei vorgelegte Plausibilitätsrechnung erwies sich im Detail als lückenhaft beziehungsweise teilweise falsch. Seine beiden mitangeklagten Mitarbeiter bekannten sich wie er selbst unschuldig und bestritten die angeklagten Vorhalte. Der Viertangeklagte bekannte sich von Anfang an schuldig und hatte in einem Nebenverfahren nach dem Medienrecht bereits eine Diversionsstrafe ausgefasst. Zudem meldete sich ein Zeuge dafür, dass zumindest einer der Ex-Mitarbeiter für die Falschaussagen offenbar von einem Dritten bezahlt worden wäre.

Einvernommene Vertreter der Kontrollstellen meinten zwar, dass die von der Staatsanwaltschaft angeklagten Malversationen, sofern diese wahr wären, längstens bei ihren peniblen Kontrollen aufgefallen wären. Die Staatsanwaltschaft blieb aber bei ihren Vorhaltungen und sah ihr Hauptargument für die Schuldsprüche darin, dass der Anzeiger selbst als Viertangeklagter mit bis zu zehn Jahren Haft zu rechnen gehabt habe und auch im Verfahren bei seinen ursprünglichen Aussagen geblieben war.

Urteile nicht rechtskräftig

Das Schöffengericht beriet am achten Verhandlungstag nach den Schlussplädoyers mehr als fünf Stunden, sah letztlich für die Zeit von Herbst 2009 bis Frühjahr 2010 rund 689.000 Eier als manipuliert an sowie einen Gesamtschaden von 109.000 Euro. Von einigen der angeklagten Handlungen wurden die Angeklagten im Zweifel freigesprochen. Rund 1100.000 Eier wurden nicht aus der Anklage übernommen, weil diese nicht eindeutig zuordenbar waren.

Die Urteile sind nicht rechtskräftig. Hubmann und seine zwei Mitarbeiter meldeten Nichtigkeit (gegen den Schuldspruch) sowie Berufung (gegen die Strafhöhe) an, der ehemalige Produktionsleiter ersuchte um drei Tage Bedenkzeit. Die Staatsanwältin meldete ihrerseits ebenfalls Berufung an.
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