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Österreichs Viehmärkte behördlich ausgesetzt

von , am
26.02.2015

Österreichs oberste Veterinärverwaltung im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat letzten Freitag sämtliche Nutzrinderveranstaltungen für diese Woche per Weisung (BMG-74100/0025-II/B/10/2015) untersagt.

© agrarfoto
Die Zwangsanordnung betrifft sämtliche Rinder-Versteigerungen, Viehmärkte und auch Tierschauen. Erlaubt ist nur die Sammlung von Schlachtrindern zur unmittelbaren Verbringung in die Schlachthöfe. Mit diesem Verbringungsstopp soll eine Ausbreitung der für den Menschen ungefährlichen IBR/IPV-Rinderseuche (BHV) verhindert werden.

Ende Jänner waren bei mehreren für den Export vorgesehenen Zuchtrindern via einem Tiroler Handelsstall letztlich Fälle der Rinderseuche IBR/IPV festgestellt worden. Der wahre Hintergrund für die scharfe hoheitliche Zwangsmaßnahme ist nach Recherchen der Österreich-Ausgabe vom dlz agrarmagazin das Faktum, dass es eben über den hauptinvolvierten Tiroler Viehhändler hinaus unzählige Kontakte zu anderen Handelseinrichtungen, Transporteuren und landwirtschaftlichen Betrieben in ganz Österreich gegeben hat. Zudem meldete Algerien zwischenzeitlich IBR-Erkrankungen bei von diesem Händler kürzlich erhaltenen Rindern. Das Virus musste sohin schon im Dezember 2014 im Tiroler Handelsstall eingebracht beziehungsweise dort vorhanden gewesen sein.

Die Landesveterinärdirektion Tirol sperrte in der Folge vorsorglich mehrere Kontaktbetriebe, in Oberösterreich wurde in einem Kontaktbetrieb dann auch ein echter IBR-Ausbruch festgestellt. Die staatliche Veterinärverwaltung im BMG zog daher letzten Freitag die Reißleine und verfügte den allgemeinen Zuchtrinder-Verbringungsstopp für ganz Österreich, dies auch, um im Zuge der nun verstärkten amtlichen Überprüfungen ein Gesamtbild über den aktuellen IBR-Fall und der daraus resultierenden Virus-Belastung im ganzen Bundesgebiet zu erhalten. Die entsprechenden EU-Meldemaßnahmen wurden Seitens des BMG ohnedies umgehend gesetzt und die umliegenden EU-Staaten informiert. Denn über die Handelswege dürfte sich das Virus neben österreichischen Ställen auch in Höfen umliegender Nachbarländer verbreitet haben.

Österreich will Seuchenstatus verteidigen

Österreich ist eines der wenigen Länder (auch innerhalb der EU), das seit den 1990er-Jahren anerkannt frei von IBR/IPV ist. Sohin ist die aktuelle Verbringungsmaßnahme verständlich und wird von Österreichs Landwirten auch voll mitgetragen. Als Zusatzauflage müssen sämtliche Rinder, die im März für Viehmärkte und dergleichen vorgesehen sind, davor nachweislich auf IBR/IPV untersucht werden.

Damit will Österreich seinen hervorragenden Tierseuchenstatus weiter aufrecht halten. Denn gerade aus diesem Grund ist Österreichs Rinderzucht auch im Zuchtviehexport seit Jahren extrem erfolgreich. Das BMG wird am Wochenende ein vorläufiges Resümee über seine laufenden IBR/IPV-Erhebungen ziehen. Letztlich dürfte aus dem aktuellen IBR-Fall mit rund zwei Dutzend infizierten Höfen in Österreich, Italien, der Schweiz und Deutschland zu rechnen sein.
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