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Mykorrhiza

Was bringen Bodenhilfsstoffe?

Dieser Artikel ist zuerst in der DLZ erschienen.

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von , am
29.03.2017

Mykorrhizapilze oder Bakterien sollen vor allem Mais bei der Nährstoffaufnahme helfen. Sie senken aber auch Stress und den Aufwand an Dünger und Pflanzenschutz. Wir zeigen, wann sich ihr Einsatz wirklich lohnt.

Grafik zur den Nährstoffflüssen im Boden
© dlz agrarmagazin

Sie heißen Happy green oder Wilhelms Best, kommen von Plocher, Agrosol, Sobac, Alltec, nennen sich PRP-Sol, Terra Preta, Entrivit, Chiemgau Effektive Mikroorganismen oder Myko Green: Der Einsatz von Boden- oder Pflanzenhilfsstoffen boomt. Die Präparate versprechen Vorteile besonders bei Stress. Und sie werben oft damit, den Einsatz von Mineraldüngern und Pflanzenschutzmitteln zu senken.  Sie kommen als Bodenhilfsstoffe zum Einsatz, etwa um die Wasserhalte­fähigkeit von Böden zu verbessern, oder als Hüllsubstanz für Saatgut, um die Freisetzung von Nährstoffen zu regulieren.

Zahlreiche Firmen vertreten

Allein bei Pilzpräparaten mit Mikrobien bieten mindestens 60 Firmen ihre Produkte an. Zu Bayer etwa gehört seit 2012 der US-amerikanische Hersteller AgraQuest. BASF hat Becker Underwood gekauft, einen Spezialanbieter von Mikroben. Monsanto setzt auf das Wissen der dänischen Firma Novozymes. Dieses Jahr soll in den USA mikrobiell behandeltes Maissaatgut für rund 36 Mio. ha angeboten werden.

Die bioaktiven Substanzen versprechen über zwei Jahre höhere Erträge, weniger Pflanzenschutz und bessere Nährstoffeffizienz. Davon sollen Anbauer und Umwelt profitieren. Das mikrobiell behandelte Saatgut soll auch CO2 einsparen.

Die Saatgutbehandlung, ob chemisch, biotechnologisch oder auch elektronisch, bietet punktgenaue Möglichkeiten, den jungen Saaten einen besseren Start zu geben. Neue Ummantelungen sollen vor allem die Nährstoffaufnahme in der Jugend erleichtern.

Weiterentwickelt wurde der natürliche Pilz Penicillium bilaii, der in Symbiose mit Wurzeln lebt und vor allem die Phosphor­aufnahme anregt. Natürliche Vorkommen des Pilzes sind meist zu dünn, um eine ­flächendeckende Wirkung zu entfalten. Der Pilz wurde, wie viele andere, sogar für den Ökolandbau als Starterkultur getestet. Er hat Wachstumserfolge auch als Beigabe zu organischen Düngern erzielt. Das Mittel Acceleron etwa soll ein wichtiges Produkt werden.
Oft wird der Pilz nicht als Ganzes genutzt, sondern als Zellkultur, etwa beim Präparat JumpStart, wörtlich Starthilfe. Die Sporen verbleiben bis zu 120 Tage auf dem Maissaatgut. Die Substanz bleibt bis zu zwei Jahre auf lagerfähigem Saatgut aktiv.

Dabei geht es darum, die richtigen Mikroben gemeinsam mit dem Saatgut in die Erde zu bringen. Nur so sorgen die Mikroorganismen dafür, dass die Pflanzen besser wachsen, mehr Nährstoffe aufnehmen, größere Wurzeln entwickeln und somit bessere Erträge bringen.

Große Vielfalt bei Symbiosen

Die Mykorrhiza ist eine weitverbreitete Symbiose von Pilzen mit Wurzeln. Sie unterstützte Pflanzen bereits vor etwa 400 Mio. Jahren, als sie das Festland eroberten. Heute profitieren ungefähr 80 Prozent aller Pflanzenarten vom Zusammenleben mit verschiedenen Pilzen in ihren Wurzeln.

Mikroben sind Teil der Natur. Auf einem Löffel Erde finden sich bis zu 6.000 verschiedene. Für Beizen oder Hüllmassen wird meist die Konzentration erhöht. Bayer, Syngenta, BASF, DuPont oder Dow und Co. sind dran am Thema. Monsanto und Novozymes testen zum Beispiel rund 2.000 Mikroben in 500.000 verschiedenen Versuchen, vor allem an Mais. Die Vielfalt ist gigantisch.

Derzeit wird aber erst noch mehr oder weniger sortiert. Bislang versteht auch niemand diese Symbiose komplett. Niemand weiß genau, wie Pflanzen und Mikroben sich wirklich gegenseitig helfen. Dass es sich aber lohnen kann, haben viele Anbauer mit den genannten Präparaten bereits selbst ausprobiert.

Fazit

Mykorrhizapilze erfüllen in vielen Ökosystemen wichtige Aufgaben. Generell wirkt mineralische Düngerzufuhr eher negativ auf die Mykorrhiza-Symbiose.
Die Symbiose ihrerseits reduziert aber den Düngerbedarf. Daher sind die Pilze und der Ökoanbau zwei natürliche Verbündete.

Die positiven Effekte der Mykorrhizapilze beschränken sich nicht darauf, die Aufnahme mineralischer Nährstoffe zu verbessern. Vor allem lassen sich die Pilze in Situationen einsetzen, in denen die Ackerkulturen mehreren negativen Einflüssen gleichzeitig ausgesetzt sind: in besonderen Stresssituationen, etwa in Trockenphasen.

 

Der vollständige Beitrag ist im dlz agrarmagazin April 2017 erschienen.

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