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Düngung

Knackpunkt Protein

von , am
24.08.2015

Die geplante Novelle der Düngeverordnung wirkt unmittelbar auf die Erzeugung proteinreicher und backstarker E- und A-Weizensorten. Ziel ist, die Bilanzüberschüsse bei Stickstoff (N) ab 2016 auf 60 kg/ha und ab 2018 auf 50 kg/ha zu minimieren.

Spätdüngung in Qualitätsweizen: Je nach Ausgestaltung der Novelle wird es künftig schwierig, die nötigen Proteingehalte zu erreichen. © agrarfoto
Da könnte es schwierig werden, die nötigen Proteingehalte zu erreichen. Wenn in „roten Gebieten“ mit hohen Nitratgehalten im Grundwasser sogar nur 30 bis 40 kg/ha in Frage kommen, dann haben Anbauer ein Problem. Sie haben keine Möglichkeit, den Proteingehalt durch eine über den errechneten Bedarfswert erhöhte N-Menge etwa in der letzten N-Gabe abzusichern.
Um hohe Verkaufserlöse zu erzielen, streben Anbauer möglichst hohe Proteingehalte an. Die N-Spätdüngung führt aber je nach Witterung nicht automatisch zum Erfolg. Angeprangert werden muss die geringe Aussagekraft des Rohproteingehalts für die Eignung als Brotweizen. Die Bezahlung nach diesem Kriterium ist nicht mehr zeitgemäß. Der Zuchtfortschritt bietet längst neue Sorten, die auch bei geringerem Proteingehalt ein hohes Backvolumen erreichen und mit 20 bis 30 kg/ha weniger N auskommen.
Noch wichtiger für Verbesserungen im Umgang mit Stickstoff sind Qualitätsparameter bei der Vermarktung, welche die tatsächliche Verarbeitungsqualität besser fassen als das reine Bestimmen des Gehalts, ohne die Proteinqualiät zu kennen. Klar ist, dass die Backqualität des Weizens nicht ausschließlich vom Proteingehalt bestimmt wird. Fallzahl, Mehlausbeute oder Wasseraufnahme spielen ebenso eine Rolle. Dennoch sind Menge und Qualität der Proteinstrukturen im Getreide wesentlich für die Qualität der Mehle insgesamt. Die komplexen Strukturen zuverlässig standardisiert in einem Schnelltest zu bestimmen, wird aber nicht einfach. Nötig ist letztlich ein neues Bewertungsschema, das angepasst ist an weniger Protein mit besserer Funktionalität. Der Schnelltest muss die Kleberfunktionalität besser charakterisieren. kb
Der vollständige Beitrag ist im dlz agrarmagazin September 2015 erschienen.
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